Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán hat auf die deutsche Kritik an der ungarischen Haltung in der Flüchtlingspolitik reagiert. "Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir Ungarn den Deutschen zu irgendeinem Zeitpunkt hätten sagen wollen, was sie tun sollen", sagte Orbán in einem Interview dem staatlichen Hörfunk. "Wir haben ihnen stets Respekt erwiesen."

Hintergrund ist das Vertragsverletzungsverfahren, das die EU-Kommission gegen Polen, Ungarn und Tschechien eingeleitet hat. Die Kommission wirft den drei Staaten vor, EU-Recht zu verletzen, weil sie sich nicht an der Verteilung von Flüchtlingen auf die EU beteiligen wollen. Kanzlerin Angela Merkel hatte das Vorgehen als richtig bewertet.

Besonders erbost zeigte sich Orbán über Äußerungen von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz, der in diesem Zusammenhang den Entzug von EU-Förderungen vorgeschlagen hatte. "Wir bitten die deutschen Politiker, dass sie uns in Ruhe lassen, dass sie uns nicht in den deutschen Wahlkampf hineinziehen", sagte Orbán.

Die EU-Staaten hatten im September 2015 mehrheitlich beschlossen, 160.000 Menschen aus Italien und Griechenland in andere Mitgliedsländer zu verteilen. Bisher wurden 20.869 Flüchtlinge in andere Staaten gebracht. Ungarn und die Slowakei haben gegen den Beschluss vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg geklagt.