Der russische Präsident Wladimir Putin strebt nach eigenen Worten eine Normalisierung der Beziehungen zu den USA an. Russland sehe die USA nicht als Feind an, sagte Putin bei seiner traditionellen Bürgersprechstunde "Direkter Draht". Sein Land habe viele Freunde in den USA. 

Zugleich kritisierte Putin eine "antirussische Hysterie" in den US-Medien. Russland sei bereit zu einem konstruktiven Dialog, dies hänge aber nicht nur an der Regierung in Moskau. Dem entlassenen FBI-Chef James Comey bot Putin Asyl in Russland an: Comeys Verhalten in der Russland-Affäre unterscheide sich nicht von dem des geflüchteten Whistleblowers Edward Snowden, sagte Putin. "In diesem Fall ist er nicht Chef des FBI, sondern er ist ein Verteidiger der Menschenrechte."

Mit Blick auf die Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr kündigte Putin, dass er eine weitere Amtszeit nicht ausschließe. "Das muss der Wähler entscheiden, das russische Volk", sagte Putin. "Ich selbst werde mich irgendwann entscheiden." Dass es zur Kandidatur kommen wird, gilt als wahrscheinlich: Bislang gibt es kaum Gegenkandidaten. Der Oppositionelle Alexej Nawalny will antreten, ein Gerichtsurteil könnte das aber verhindern.

Beschwerden über wirtschaftliche Situation

In der Sendung sprach Putin über Stunden mit TV-Moderatoren. Zwischendurch beantwortet er Fragen, die ihm aus dem Publikum oder per Telefon, Videochat und Live-Schalte von Bürgern aus dem ganzen Land gestellt wurden. Besonders viele Anrufer beschwerten sich über die wirtschaftliche Lage und zu niedrige Löhne.

Putin kündigte an, er wolle die Sanktionen gegen den Westen aufheben, wenn zuvor die Strafmaßnahmen gegen Russland entfallen würden. Die EU und die USA hatten das Land wegen des russischen Vorgehens im Ukraine-Konflikt mit Strafmaßnahmen belegt. Daraufhin verhängte auch Russland Importverbote für Milchprodukte, Obst und Gemüse aus der EU.

An seinem Verhalten in der Krim-Krise kann Putin hingegen nichts Verwerfliches finden. "Wenn es die Krim nicht gäbe, würden sie sich etwas anderes ausdenken", sagte er. Die Sanktionen hätten aber auch einen positiven Effekt, sagte Putin. "Wir mussten unsere Köpfe anstrengen, Talente aktivieren und uns auf Ressourcen in Schlüsselbereichen konzentrieren."

Der niedrige Gas- und Ölpreis habe mehr Auswirkungen auf die russische Wirtschaft als die Sanktionen, die seit 2014 wegen der Ukraine-Krise in Kraft sind, sagte Putin. Die niedrigen Preise für die wichtigsten Industrieerzeugnisse wie Metall- und Chemieprodukte hätten die russische Wirtschaft stärker geschwächt als die Sanktionen. "Haben die Sanktionen uns beeinflusst? Ja", sagte Putin. "Aber auch dramatisch? Das glaube ich nicht."