Der chinesische Dissident und Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo ist tot. Der krebskranke 61-Jährige sei am Donnerstag gestorben, teilten die Behörden der chinesischen Provinz Liaoning mit. Liu war vor gut zwei Wochen wegen einer schweren Leberkrebserkrankung aus der Haft ins Krankenhaus verlegt worden. Seine Behandlung im Ausland hatten die chinesischen Behörden verweigert.

Chinas bekanntester politischer Dissident war 2009 wegen seiner Rolle in der Charta-08-Reformbewegung zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte ein Manifest veröffentlicht, in dem er einen "freien, demokratischen und verfassungsmäßigen Staat" einforderte. Der Friedensnobelpreis war ihm 2010 verliehen worden. Xiaobo musste seine Haftstrafe in einem Gefängnis in der Provinz Liaoning, 500 Kilometer von Peking entfernt, absitzen. Nach der Krebsdiagnose war er im Mai 2017 in ein Krankenhaus in Shenyang im Nordosten des Landes verlegt worden. Ausländische Regierungen hatten China aufgefordert, Liu freizulassen, damit er sich an einem Ort seiner Wahl behandeln lassen könne. Peking hatte das zurückgewiesen.

Xiaobo hatte sein Berufsleben zunächst als Arbeiter bei einer Baufirma begonnen. 1977 begann er, Literatur zu studieren und promovierte später in diesem Fach. Nach den Pekinger Studentenprotesten 1989, an denen er sich ebenfalls beteiligte, verlor er seine Arbeitsstelle an der Universität und saß bis 1991 in Haft. Nach einer kurzen Phase der Freiheit kam er 1995 erneut ins Gefängnis und wurde zwischen 1996 und 1999  in ein Lager zur Umerziehung eingewiesen. Zwischen 1999 und 2008 lebte er als freier Schriftsteller in Peking und wurde zum Präsidenten des Independent Chinese PEN Center gewählt.

Im Februar 2010 veröffentlichte Xiaobo in mehreren internationalen Zeitungen, darunter auch in der ZEIT, seine "nicht gehaltene Verteidigungsrede eines Dissidenten".