US-Präsident Donald Trump hat seinen Vorschlag einer US-russischen Sondereinheit gegen Cyberattacken auf Wahlen verworfen, nachdem prominente Parteikollegen ihn dafür öffentlich verspotteten. 13 Stunden nach seiner Ankündigung auf Twitter verwarf er die Idee in einem weiteren Tweet. "Die Tatsache, dass Präsident Putin und ich über eine Einheit für Cybersicherheit gesprochen haben, bedeutet nicht, dass ich denke, dass es dazu kommen kann. Das kann es nicht", schrieb er.


Zuvor hatte er angekündigt, die Zeit sei gekommen, um die Diskussion über russische Wahlbeeinflussung hinter sich zu lassen. Die USA müssten sich jetzt "nach vorn bewegen" und "konstruktiv" mit Russland zusammenarbeiten, twitterte Trump wenige Stunden nach seiner Rückkehr vom Hamburger G20-Gipfel, bei dem er erstmals persönlich mit Präsident Wladimir Putin gesprochen hatte. Er und Putin hätten auch darüber gesprochen, eine "Arbeitsgruppe Cybersicherheit" zu gründen, um künftige Einflussnahmen im Wahlkampf zu verhindern.

Die US-Geheimdienste waren vergangenes Jahr zu dem Schluss gelangt, dass Russland hinter Hackerangriffen während des US-Wahlkampfs gesteckt hatte. 

"Als gründe man eine Chemiewaffenarbeitsgruppe mit Assad"

Seine Haltung stieß nicht nur bei den Demokraten, sondern auch bei prominenten Republikanern auf Kritik: Die Senatoren John McCain, Lindsey Graham und Marco Rubio warfen Trump vor, es Putin nach dessen Wahleinmischung viel zu leicht zu machen. "Mit Putin in puncto Cybersicherheit zusammenzuarbeiten ist, als gründe man eine Chemiewaffenarbeitsgruppe mit Assad", ätzte Marco Rubio auf Twitter.

John McCain sagte dazu in einem Interview mit CBS News sarkastisch: "Ich bin sicher, dass Wladimir Putin eine große Hilfe dabei sein kann – schließlich hat er die Hackerangriffe ja gemacht."

Lindsey Graham nannte das Treffen der beiden Präsidenten "katastrophal". Trump sei auf einem Auge blind, wenn es um Putin gehe, sagte der Republikaner dem Sender NBC News. Man könne in diesem Fall nicht einfach "vergessen und vergeben". Zu den Plänen für eine gemeinsame Arbeitsgruppe zur Cybersicherheit meinte Graham, es sei zwar nicht die dümmste Idee, die er bisher gehört habe, "aber sie kommt nah dran".

Alle drei Senatoren haben Trump schon häufiger kritisiert. Rubio und Graham verloren im vergangenen Jahr bei der Nominierung des republikanischen Präsidentschaftskandidaten gegen Trump. McCain war 2008 der republikanische Präsidentschaftskandidat. Zuvor hatten bereits die Fraktionschefs der Demokraten im Abgeordnetenhaus und Senat, Nancy Pelosi und Chuck Schumer, Trumps Verhalten scharf kritisiert.

Trump wies auf Twitter darauf hin, dass er Putin bei dem Treffen wiederholt "energisch" auf die Vorwürfe einer gezielten Einmischung in die US-Wahl angesprochen habe. Der russische Präsident habe die Anschuldigungen vehement zurückgewiesen. Als Beispiel für eine konstruktive Kooperation mit Moskau führte Trump die zusammen mit Russland und Jordanien ausgehandelte Waffenruhe im Südwesten Syriens an.

Nach russischer Darstellung hat Trump bei dem Treffen mit dem Kremlchef dessen Verneinung einer Wahleinmischung "akzeptiert" – was Trump in seinem Tweet nicht dementierte. Außenminister Rex Tillerson hatte nach der Begegnung geschildert, dass sich Trump entschlossen habe, zu anderen Dingen überzugehen, da von Russland kein Schuldeingeständnis zu erwarten sei.