Für kurzfristige Projekte können Paris und Berlin bereits bestehende Initiativen erweitern. So könnte sich Frankreich an der Neubeschaffung deutscher schwerer Transporthubschrauber beteiligen, indem es einige von ihnen least und sie regulär in Deutschland betreibt. Eine eigene Beschaffung dieser wertvollen Geräte käme Paris zu teuer. Aber wenn Deutschland einige mehr beschafft, sinken die Stück- und Betriebskosten für alle. Ein deutsch-französisches Werftenkonsortium für den Bau der nächsten Korvettengeneration könnte nationalen Protektionismus in diesem Bereich aufbrechen.

Schwierig, aber überlebenswichtig, ist die Entscheidung, ein neues europäisches Kampfflugzeug anzuschaffen. Dabei geht es nicht allein darum, welches Waffensystem in den nächsten 40-50 Jahren genutzt wird – denn so lange werden die neuen Flugzeuge im Dienst bleiben. Diese Frage entscheidet über die Zukunft der gesamten europäischen Verteidigungsindustrie: Wird diese europäisch bleiben und so die Chance zur strategischen Autonomie zumindest teilweise behalten, oder macht sich Europa von den USA abhängig? 

Die militärische Luftfahrt ist die Schlüsselindustrie – hinsichtlich Umsatz und Innovationsleistung. Und das Schlüsselunternehmen in Europa befindet sich in Frankreich: Dassault.

Zusätzlich gibt es eine Hausaufgabe für Berlin: Es muss einen verlässlichen Konsens darüber herstellen, wie es in Zukunft verantwortungsvoll mit Rüstung umgehen will. Nachhaltige Verteidigungspolitik, die Verantwortung für andere übernimmt, beinhaltet auch eine Rüstungspolitik, die dieses Ziel unterstützt. Kooperation mit Frankreich oder anderen Europäern setzt klare Aussagen hinsichtlich deutscher Beiträge in der Rüstung voraus. Und weil Rüstungsunternehmen nur dank der Exporte außerhalb Europas überleben, gehört das Thema einer gemeinsamen Export-Praxis für Rüstungsprodukte auf die Agenda der nächsten Bundesregierung.

Wenn Berlin und Paris im Verteidigungsbereich erfolgreich zusammenarbeiten, würde das Europa tatsächlich voranbringen. Beide zusammen erbringen in Europa etwa 40 Prozent der militärischen Kräfte und der industriellen Kapazitäten. Das Signal einer solchen Zusammenarbeit wäre daher beachtlich. Ein neuer deutsch-französischer Ansatz muss nicht immer alle europäischen Staaten von Malta bis Dänemark einbeziehen. Aber er darf nie das Ziel aus den Augen verlieren: gemeinsam für Europas Sicherheit einstehen.