Es ist ein radikaler Wechsel, den US-Präsident Donald Trump gerade vollzieht. Per Tweet – abgeschickt aus der Air Force One auf dem Rückweg von New York nach Washington – hatte Trump seinen Stabschef Reince Priebus gefeuert und ihn durch Heimatschutzminister John F. Kelly ersetzt. Die Ernennung ist kein Zufall, sondern ein symbolischer Akt: Mit Kelly holt Trump sich einen Viersternegeneral ins Oval Office, der Operationen in Südamerika und im Irak anführte. Kelly, der erst seit der Amtsübernahme an der Spitze des Ministeriums für Innere Sicherheit gestanden hatte, soll Disziplin und Schicklichkeit in ein von Skandalen und Chaos geplagtes Weißes Haus bringen.

Die Beförderung des Generals in den engsten Kreis ist zugleich auch eine Kriegserklärung Trumps an die Berufspolitiker im Kongress, die ihn am Vorabend im Stich gelassen hatten, als der Senat in einem letzten Versuch gegen eine Alternative zu Obamacare stimmte.

Doch dass Kelly wirklich das Chaos ordnen könnte, scheint unwahrscheinlich. Denn kurz zuvor hatte der ebenfalls von Trump neu installierte Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses für heftigen Lärm gesorgt. Am Mittwochabend hatte sich Anthony Scaramucci bei einem Reporter des Magazins New Yorker über die zahlreichen Enthüllungen aus dem Innern des Weißen Hauses beschwert. Er tat es mit einer ganzen Tirade an Schimpfwörtern, die sich gegen Priebus, aber auch gegen Trumps Berater Steve Bannon richteten.

Scaramucci wurde dabei so ausfallend, dass amerikanische Medien sich fast verzweifelt fragten, wie sie die Fäkalsprache ihren Lesern präsentieren sollten.

Ob nach dem jüngsten Personalwechsel tatsächlich Ruhe und Ordnung im West Wing einkehren, ist daher fraglich. Trump bewundert zwar den Führungsstil des Generals Kelly, denn mit dem Klein-Klein von Partei und Politik hat der Berufsmilitär wenig am Hut. Auch Verzögerungen beim Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko – Trumps Lieblingsprojekt – tat Kelly ab und versprach die Vollendung innerhalb von zwei Jahren. Kelly neigt außerdem genau wie Trump zu harten Sprüchen. In einer Rede vor Studenten im April hatte Kelly gesagt, Kritiker im Kongress, die die harte Gangart gegen Muslime anmerkten, sollten den Mund halten und die Männer und Frauen an der Front ihre Arbeit machen lassen.

Doch mangelt es Kelly vielleicht zwar nicht an Disziplin, dafür aber an der nötigen politischen und administrativen Erfahrung, die das wichtige Amt erfordert.

Machtkampf in Trumps Umfeld geht weiter

Priebus dagegen war ein Washington-Insider mit engen Kontakten zum republikanischen Establishment. Er brachte das nötige politische Know-how und auch diverse erfahrene Leute mit ins Oval Office. Beides fehlt dem Außenseiter-Präsidenten und einem Großteil seines Teams. Doch Priebus hatte es im Kräfteungleichgewicht des Weißen Hauses immer schwerer, sich gegen die Loyalisten im Umfeld des Präsidenten durchzusetzen und Gehör zu finden. Trump sah seinen Stabschef zunehmend als Schwächling, der das eigene Team nicht unter Kontrolle hat. Hinter verschlossen Türen gab der Präsident seinem Stabschef den Spitznamen "Reincey".

Priebus und Pressesprecher Sean Spicer, den Priebus selbst an Bord geholt hatte, waren von wichtigen Entscheidungen immer häufiger ausgenommen. Die vielen undichten Stellen im engsten Kreis sorgten für zusätzlichen Frust, der am Ende die offensichtlichsten Opfer traf. Spätestens mit dem Einzug von Scaramucci in den Inner Circle war klar, dass die Tage von Priebus gezählt waren.

Die zuletzt auch offen ausgetragene Fehde zwischen den beiden grundverschiedenen Männern war in Washington seit Monaten kein Geheimnis mehr. Bis zuletzt hatte der Stabschef in den vergangenen Wochen versucht, die Ernennung zu verhindern. Doch der Präsident hatte die Bedenken von Priebus und Spicer weggewischt. Stattdessen übertrug er dem loyalen Finanzier Scaramucci Aufgaben, die eigentlich in den Bereich des Stabschefs fallen. Die öffentliche Erklärung, der neue Kommunikationschef unterstehe direkt dem Präsidenten und umgehe damit die übliche Hackordnung, war eine zusätzliche Demütigung.

Für Kelly scheint Trump hingegen bislang nichts als Bewunderung zu empfinden. Trump hat ein Faible für Generale. Und Kelly war im Marine Corps, das als besonders hart gilt. Er hat im Irak gedient und dort einen Sohn verloren, der ebenfalls Soldat war und bei einem Einsatz getötet wurde. Als Minister für Heimatschutz hat Kelly Trumps Vorgaben konsequent umgesetzt, ungeachtet der internationalen Kritik.

Die Ernennung des Generals ist aber nicht nur ein Signal an die Berufspolitiker in Washington. Sie ist auch ein Zeichen dafür, dass der Machtkampf der Lager in Trumps Umfeld weitergeht.

Denn die Konflikte enden nicht bei Priebus: Neben dem scheidenden Stabschef und Pressesprecher Spicer hatte sich auch Trumps Chefstratege Stephen Bannon gegen Scaramucci ausgesprochen – und Bannons Einfluss im Westflügel ist, zumindest vorerst, ungebrochen. Wer sich am Ende durchsetzt, ist abzuwarten. Scaramucci deutete im Gespräch mit dem New Yorker vorsichtshalber schon einmal an, sich mit der Entlassung von Priebus nicht zufrieden geben zu wollen: "Ich werde alle rausschmeißen", so Scaramucci, "und dann fangen wir ganz von vorne an."