Wenigstens einer kann zufrieden sein, es war ja auch von Anfang an vor allem sein Gipfel. "America first" und dann erst die anderen 19 Mitglieder der G20 – mit dieser Haltung war Donald Trump nach Hamburg gereist. Der US-Präsident hat mit seiner Handels- und Klimapolitik die Agenda bestimmt: Über allem schwebte die Angst, es werde nicht einmal möglich sein, einen Konsens über den Status quo festzuhalten. An Fortschritte war erst gar nicht zu denken.

Wie sollte das auch gehen, wenn zwar die Begriffe dieselben sind, das Verständnis davon aber ein völlig anderes. Freier und fairer Handel beispielsweise, das bedeutet für Trump eben vor allem: Die USA müssen der Gewinner sein.

Ob Strafzölle auf Stahlimporte das gewährleisten, sei dahingestellt. Dass die Amerikaner zu diesem Mittel greifen könnten schien jedenfalls derart realistisch, dass EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bereits mit Gegenmaßnahmen gedroht hatte. Die USA empfinden den Druck auf die heimischen Märkte durch chinesische, aber auch europäische Stahlhersteller als "unfair".  Ein Ergebnis des Gipfels: Ein stärkeres Monitoring soll ein mögliches Preisdumping auf dem weltweiten Stahlmarkt einhegen. Ob damit US-Strafzölle und ein möglicher Handelskrieg vom Tisch sind? Schwer zu sagen. Es hängt von der Geduld Trumps ab – und wie schnell die G20 in dieser Frage vorankommen.

Die G20 fahren zwar nicht in offener Spaltung nach Hause, doch die Formulierungen im Kommuniqué zeigen: Geschlossenheit sieht anders aus. Man will den Kampf gegen den "Protektionismus einschließlich aller unlauterer Handelspraktiken" fortsetzen (ohne Trump eine Selbstverständlichkeit für die G20) und "auf Gegenseitigkeit beruhende und für alle Seiten vorteilhafte Handels- und Investitionsrahmen" schaffen, getragen von den Regeln der Welthandelsorganisation WTO und anderer Institutionen. Doch der Preis dafür, dass die USA diesen Teil unterschreiben, war offenbar die Billigung "rechtmäßiger Handelsschutzinstrumente" gegen unfaire Praktiken. Das gibt Trump den Spielraum, eine mögliche Abschottungspolitik als gemeinsam getragenes Konzept der G20 zu verkaufen.

Auch die Passagen zum Klimaschutz zeigen, wie zerrissen die Gemeinschaft der führenden Industrie- und Schwellenländer ist. Dass Trump die Arbeitssitzung zu diesem Thema schwänzte und lieber stundenlang mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin flirtete, spricht Bände. Ewigkeiten brüteten die Unterhändler über geeigneten Formulierungen, die sowohl dem angekündigten Ausstieg der USA aus dem Pariser Abkommen als auch dem klaren Bekenntnis der anderen Länder zum Klimaschutz Rechnung tragen.

Erstaunlich ist, dass die Notwendigkeit zur Reduzierung von Treibhausgasen von allen, auch von Trump, festgehalten wird. Der zweite Punkt nimmt die Pläne der USA, das Klimaschutzabkommen zu verlassen, trocken zur Kenntnis, während sich die anderen 19 Gipfelteilnehmer für eine "rasche Umsetzung" der "unumkehrbaren" Vereinbarungen aussprechen. Und auch der dritte Punkt ist der Sonderstellung der Amerikaner geschuldet, um ihn wurde am längsten gerungen: Hier wird festgehalten, dass die USA eng mit anderen Ländern zusammenarbeiten und ihnen helfen wollen, "auf fossile Brennstoffe zuzugreifen und sie sauberer und effizienter zu nutzen".