Die Enthüllungen der New York Times sind der erste Beleg, dass wichtige Personen aus dem Umfeld von Trump versucht haben, direkt mit der russischen Regierung zusammenzuarbeiten, um an Informationen über den politischen Gegner zu gelangen. Bislang hatte das Weiße Haus dies abgestritten und behauptet, die Treffen hätten lediglich der Verbesserung der allgemeinen Beziehungen und der Diskussion bestimmter politischer Themen gedient.

Laut US-Gesetz ist es verboten, Informationen oder andere Dinge von "Wert" von einer ausländischen Regierung zu erhalten, um eine laufende Wahlkampfkampagne zu unterstützen. Trump Jr. könnte laut Rechtsexperten gegen das Gesetz bereits damit verstoßen haben, dass er aktiv versucht hat, an diese Informationen zu gelangen. Dass die russische Regierung versucht hat, in den Wahlkampf einzugreifen, darüber sind sich die US-Geheimdienstbehörden inzwischen einig.

Und auch Kushner und Manafort kommen angesichts der Berichte weiter in Bedrängnis. Für sie dürfte es nun schwieriger werden zu argumentieren, sie hätten von der Einflussnahme Russlands nichts gewusst – schließlich leitete Trump Jr. die entsprechenden E-Mails an beide weiter. Gegen beide wird bereits jetzt im Zusammenhang mit möglichen Absprachen zwischen Trumps Wahlkampfteam und dem Kreml ermittelt.

Sollten die Ermittlungen Verstöße gegen das Wahlfinanzierungsgesetz ergeben, drohen den betroffenen Personen strafrechtliche Konsequenzen.

Auch für Trump selbst wird es dann enger. Das Risiko einer Amtsenthebung sei zwar weiterhin gering, mit den jüngsten Enthüllungen aber eindeutig gestiegen, urteilte die Citigroup in einem Schreiben. Die Republikaner dürften vor dem Schritt weiterhin zurückschrecken. Sie wollen die eigene Mehrheit im Kongress im Vorfeld der Wahlen 2018 nicht gefährden. 

Was weiterhin unklar ist

Trotz der Enthüllungen bleiben offene Fragen, die für die Ermittler von entscheidender Bedeutung sein dürften. Es gibt auch jetzt keine Beweise dafür, dass es trotz anfänglicher Versuche tatsächlich in irgendeiner Form zu einer Zusammenarbeit gekommen ist. Je nach Auslegung des Gesetzes könnte dies für eine tatsächliche strafrechtliche Verfolgung entscheiden sein. Auch über den genauen Inhalt der Informationen über Hillary Clinton, die in dem Treffen zur Sprache kamen, ist bislang nichts bekannt. 

Ob das Wahlkampfteam des Präsidenten frühzeitig von den russischen Hacker-Angriffen auf die demokratische Partei während des Wahlkampfs gewusst und die Information den Behörden bewusst verschwiegen hat, ist ebenfalls offen. 

Vor allem aber: Ob Präsident Trump selbst eine Rolle spielt, bleibt nach den Enthüllungen der vergangenen Tage unklar. Aus dem Weißen Haus hieß es, der Präsident habe von dem Treffen erst vor wenigen Tagen erfahren.

Trump Jr. twitterte: "Die Medien und Demokraten sind völlig besessen von der Russland-Story. Wenn dieses alberne Treffen alles ist, was sie nach einem Jahr haben, kann ich die Verzweiflung verstehen."

Was nun?

Der Vorsitzende des zuständigen Ermittlungsausschusses im Repräsentantenhaus, der Demokrat Adam Schiff, äußerte gegenüber dem Fernsehsender MSNBC die Hoffnung, dass Trumps ältester Sohn sich bereit erkläre, vor dem Komitee unter Eid auszusagen. Trump Jr. hatte auf Twitter zuvor bereits angedeutet, er sei bereit, mit den entsprechenden Institutionen zusammenzuarbeiten. Sollte der Bericht stimmen, so Schiff, mache das die bisherigen Leugnungen vonseiten des Trump-Teams "sehr viel verdächtiger".

Die neuen Informationen dürften auch für den Ermittlungsausschuss des Senats und den zuständigen Sonderermittler des Justizministeriums, Robert Mueller, von zentraler Bedeutung sein. Aus dem Büro Muellers hieß es, man werde das Treffen und die Kommunikation genau prüfen.