Kurz vor seiner Weiterreise zum G20-Gipfel in Hamburg hat US-Präsident Donald Trump in einer Grundsatzrede auf dem Krasiński-Platz in Warschau die Bedeutung Europas für Frieden und Stabilität betont. Vor dem Hintergrund der polnischen Geschichte lobte er den Mut und den Durchhaltewillen der polnischen Bevölkerung und sagte: "Ein starkes Polen ist ein Segen für Europa. Und ein starkes Europa ist ein Segen für den Westen und die ganze Welt." Mit Blick auf die transatlantischen Beziehungen fügte Trump hinzu: "Die Welt hat nie so etwas gesehen wie diese Gemeinschaft."

Trump bekannte sich zur Beistandspflicht der Nato. Dies sei aber mit einer Forderung an die europäischen Mitgliedsstaaten verbunden. Die USA stünden fest hinter dem Artikel 5 des Nordatlantikvertrags. "Worte sind einfach, aber es sind die Taten, die zählen. Und für seinen eigenen Schutz muss Europa – und ihr wisst das, jeder weiß das, jeder muss es wissen –, muss Europa mehr tun", sagte der Präsident. Europa müsse beweisen, "dass es an seine Zukunft glaubt, indem es sein Geld darin investiert, diese Zukunft zu schützen".  

Trump sprach dem polnischen Volk seine Anerkennung aus für dessen unerbittlichen Widerstand gegen feindliche Einflüsse, sei es von Nazideutschland oder auch aus Russland. "In diesen dunklen Tagen habt ihr euer Land verloren, aber ihr habt nie euern Stolz verloren", rief Trump den Polen zu. "Die Geschichte Polens ist die Geschichte eines Volkes, das nie die Hoffnung verloren hat, das nie zerbrochen ist und das nie vergessen hat, wer es ist."

"Ein Besuch mit historischem Charakter"

Trump war am Mittwochabend in der polnischen Hauptstadt eingetroffen, wo er zunächst mit Präsident Andrzej Duda zusammengetroffen war und Gast auf einem Treffen der sogenannten Drei-Meere-Initiative war. Dort versprach er, dass die USA Energielieferungen niemals als Druckmittel gegen ost- und mitteleuropäische Staaten einsetzen werden. Die Region sei ihm sehr wichtig, sagte Trump und schmeichelte damit den versammelten Staats- und Regierungschefs von zwölf mittel- und osteuropäischen Ländern, die ihre Energie- und Handelspläne ausbauen und modernisieren wollen, um sich von Gas- und Öllieferungen aus Russland unabhängiger zu machen.

Polens Staatspräsident Duda nannte Trumps Besuch eine "Visite mit historischem Charakter". Dessen Rede werde "nicht nur für Polen, sondern für die gesamte Welt" sein. Die Medien des Landes berichteten, die polnische Regierung habe dem Weißen Haus bei der Einladung nach Warschau jubelnde Massen versprochen. Die Regierungspartei sowie Regierungsanhänger planten demnach, Menschen mit Bussen zu der Ansprache zu transportieren.

USA liefert Patriot-Raketen an Polen

Ein erstes Zeichen der neuen Verbundenheit setzten die USA gleich zu Beginn von Trumps Besuch in Warschau, als sie der Lieferung von Patriot-Flugabwehrraketen des US-Konzerns Raytheon zustimmten. Bereits im März hatte die polnische Regierung erklärt, mit der avisierten Investition von bis zu 7,6 Milliarden Dollar in das amerikanische Waffensystem die Verteidigungsfähigkeit des Landes gegenüber dem großen Nachbarn Russland zu stärken. Verteidigungsminister Antoni Macierewicz lobte die Trump-Regierung, unter der die Verhandlungen beschleunigt worden seien.

Kurz nach seiner Rede reist Trump weiter zum G20-Gipfel nach Hamburg, wo zunächst ein Abendessen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel geplant ist.