Deutschland und Frankreich wollen mit einem europäischen Kampfjet langfristig die "aktuellen Kampfflugzeug-Flotten" beider Länder ersetzen. Das teilte der Élysée-Palast mit. Die konkreten Pläne für das Projekt unter deutsch-französischer Führung sollen bis Mitte des kommenden Jahres ausgearbeitet werden.

Derzeit verwendet die Bundeswehr unter anderem den Eurofighter und Frankreich unter anderem die Rafale als Kampfflugzeug. Mit dem Eurofighter hatte es wiederholt Probleme gegeben. Wegen technischer Schwierigkeiten durch Materialmängel geriet er immer wieder in die Schlagzeilen.

Die Entwicklung ist der erste Schritt in der angekündigten Kooperation bei großen Rüstungsprojekten. Beide Länder wollten prüfen, ob neben der Entwicklung einer Kampfjet-Flotte auch die Beschaffung eines neuen Kampfpanzers oder eines Seefernaufklärers möglich ist. Die Vorhaben sollen auch anderen europäischen Staaten offenstehen.

Zudem wollen die Nachbarländer die Verschlüsselungstechniken ihrer Armeekommunikation vereinheitlichen, damit die Soldaten direkt miteinander reden können und Zugriff auf gemeinsame Daten haben. Die Cyber-Kommandos der deutschen und französischen Streitkräfte sollen ebenfalls enger zusammenarbeiten.

Bei den Rüstungsprojekten wollen die beiden Länder zunächst abgleichen, wann welche Armee neues Gerät benötigt. Dann soll untersucht werden, ob eine gemeinsame Entwicklung oder ein gemeinsamer Kauf sinnvoll ist. Konkret geht es dabei unter anderem um die nächste Generation Kampfpanzer. Nach dem erfolgreichen Abschluss einer Konzeptstudie soll bis Mitte 2018 ein Fahrplan für das weitere Vorgehen aufgestellt werden.

Nach dem Zusammenschluss der deutschen Panzerschmiede KMW und des französischen Panzerbauers Nexters war bereits spekuliert worden, dass das fusionierte Unternehmen die Entwicklung eines "Le Leo" (angelehnt an den deutschen Kampfpanzer Leopard 2) angehen könnte. Bei der Beschaffung eines neuen Artilleriegeschützes streben die beiden Länder ebenfalls eine Zusammenarbeit an.

Pläne auch abseits der Verteidigungspolitik

Außerdem wollen Frankreich und Deutschland besser in der Klima- und Energieforschung zusammenarbeiten. Die Ministerin und ihre französische Amtskollegin Frédérique Vidal vereinbarten ein Programm über 45 Millionen Euro. Das vierjährige Projekt richte sich an exzellente Forscher aller Nationalitäten, "die mit ihrer Arbeit in der Energie-, Klima- und Erdsystemforschung zum Erreichen der Klimaziele beitragen". Deutschland finanziert das Programm mit 15 Millionen Euro, Frankreich mit 30 Millionen Euro.

Neben den Verteidigungs- und Forschungsprojekten haben die beiden Länder auch erste Schritte zur Reform der Eurozone angekündigt. "Wir werden das nicht verbummeln. Es wird noch in diesem Jahr weitere Schritte geben", kündigte Angela Merkel an.

Sie wiederholte, dass sie offen für die Diskussion über ein Eurozonen-Budget, einen europäischen Finanzminister und die Weiterentwicklung des Euro-Rettungsmechanismus ESM zu einem europäischen Währungsfonds sei. Man müsse generell darüber reden, wie man in der Eurozone besser zusammenarbeiten könne. Bisher hätten die EU-Staaten nur in Krisen schnell agiert. Die digitale Herausforderung, vor der die EU stehe, verlange aber andauernde Schnelligkeit.