Österreich will strengere Grenzkontrollen am Brenner einführen. Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) sagte der österreichischen Kronen Zeitung, er rechne mit einem zeitnahen Beginn dieser Kontrollen. "Angesichts der Migrationsentwicklung in Italien müssen wir uns vorbereiten."

Ein Einsatz des Militärs sei unabdingbar, wenn die Zahl der Einwanderer nicht sinke. 750 Soldaten seien hierfür verfügbar, vier Panzer sollen Straßen im Grenzgebiet absperren. Das Verteidigungsministerium habe bereits erstes schweres Gerät an die Grenze verlegen lassen. Im Falle eines Alarms soll die Truppe binnen drei Tagen voll einsatzfähig sein.

Das italienische Außenministerium hat als Reaktion auf die Ankündigung den österreichischen Botschafter in Rom einbestellt.

Doskozils Mitteilung kommt kurz vor dem zweitägigen Treffen der europäischen Innen- und Justizminister in Tallinn. Ab Donnerstag wollen sie in der estnischen Hauptstadt über Migration beraten, und überlegen, wie Italien entlastet werden könne. Die italienische Regierung hatte Hilfe der EU gefordert. Italien drohte, ansonsten seine Häfen für ausländische Flüchtlingshilfsschiffe zu sperren. Seit Beginn des Jahres nahm Italien bereits mehr als 83.000 Flüchtlinge auf, 20 Prozent mehr als im Vorjahresraum. Nach eigenen Angaben ist die italienische Regierung nicht mehr in der Lage, die Situation zu bewältigen

Österreich hatte im Januar bereits angekündigt, die Grenze zur Slowakei militärisch sichern zu wollen. Das Land befürchtete, dass über diese Route mehr Flüchtlinge ins Land kommen. Auch Grenzkontrollen am Brenner waren bereits im Gespräch. Im Mai 2016 hatten sich Italien und Österreich darauf geeinigt, vorerst auf diese Kontrollen zu verzichten.

Nachdem die Balkanroute im März 2016 abgeriegelt wurde, halbierte sich die Zahl der Asylanträge in Österreich. Zum Asylverfahren wurden laut Innenministerium 2016 gut 36.000 Menschen zugelassen, die selbst gesteckte Obergrenze von 37.500 Asylverfahren hat Österreich somit nicht erreicht.