Donald Trump lässt nicht locker. Der Präsident griff seinen Justizminister am Mittwoch erneut via Twitter an. Dieses Mal ging es dem US-Präsident um den Interims-FBI-Chef Andrew McCabe. Den hätte Jeff Sessions doch bitte schön ersetzen müssen, da McCabe von Hillary Clinton Gelder erhalten und zugleich die Untersuchungen gegen die ehemalige Außenministerin geleitet habe. Einen Anlass für die Vorwürfe gegen Sessions gab es nicht, sie reihten sich ein in eine seit Tagen andauernde Serie von Attacken gegen den Justizminister. Trump hat Sessions auf Twitter bereits als "SEHR schwach" und "mitgenommen" bezeichnet und in einer Pressekonferenz gesagt, dass er "schwer enttäuscht" von seinem Justizminister sei. Ob er ihn entlassen wolle, fragten Reporter daraufhin. Trump blieb vage. "Das wird die Zeit zeigen."

US-Journalisten sprechen mittlerweile von einer Cyber-Bullying-Kampagne, die allein zum Ziel habe, Sessions aus dem Amt zu ekeln. Trump wisse, dass er nur wenige Monate nach der Entlassung von Ex-FBI-Chef James Comey auch den Justizminister feuere. Andere Medien wiederum spekulieren, Trump wolle Sessions durch einen gefügigeren Minister ersetzen, der dann die Nummer Zwei im Ministerium, Rod Rosenstein, ebenfalls loswerden könne. Rosenstein hatte zwar ganz im Sinne Trumps die Entlassung von FBI-Chef Comey empfohlen, später aber Sonderermittler Robert Mueller für die Russland-Ermittlungen ernannt – und damit den Druck auf Trump entscheidend erhöht.

Das Kalkül des US-Präsidenten ist entsprechend offensichtlich: Sollten sowohl Sessions als auch Rosenstein ihre Posten räumen müssen, könnte Trump sie durch enge Vertraute ersetzen. Das wiederum würde Mueller unter Druck setzen, seinen neuen Vorgesetzten bald Beweise in den Russland-Ermittlungen vorzulegen oder sie zu einem schnellen Ende zu bringen. Der Präsident "trolle" Sessions, um an Mueller ranzukommen, formulierte es CNN. US-Medien ziehen bereits Vergleiche zum Saturday Night Massacre von 1973. Damals forderte Präsident Richard Nixon die Entlassung des Sonderermittlers in der Watergate-Affäre. Justizminister Elliot Richardson sowie dessen Stellvertreter weigerten sich jedoch und traten aus Protest zurück.

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Auf den ersten Blick sind die Parallelen tatsächlich deutlich: Trump hatte sowohl den stellvertretenden Justizminister Rosenstein als auch Sonderermittler Mueller in den vergangenen Wochen immer wieder öffentlich kritisiert. Mueller warf der Präsident unter anderem einen Interessenkonflikt vor und warnte ihn davor, die Finanzen der Trump-Familien zu untersuchen.

Trotz der taktischen Spekulationen sind die Angriffe auf Sessions überraschend. Denn der 70-Jährige aus Alabama gehörte bislang zu den loyalsten Unterstützern Trumps. Als erster Senator hatte sich der Republikaner öffentlich für  Trump als Präsidentschaftskandidat ausgesprochen und gemeinsam mit ihm und Stephen Bannon die Strategie erarbeitet, die Trump zum Sieg führte. Im Gegenzug belohnte der Präsident Sessions mit der Berufung zum Justizminister und überging dabei Kandidaten wie Chris Christie oder Ted Cruz.

Doch in den vergangenen Monaten hat das Verhältnis gelitten, nachdem Sessions im März unter großem öffentlichen Druck entschieden hatte, sich von den laufenden Ermittlungen zum Thema Russland zurückzuziehen. Damals war bekannt geworden, dass der Justizminister Kontakte mit russischen Offiziellen im Wahlkampf verschwiegen hatte. In einem Interview mit der New York Times räumte Trump erst vor wenigen Tagen ein, von der Entscheidung Sessions "sehr enttäuscht" gewesen zu sein. "Wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich ihn nicht genommen", sagte Trump.