Israelische Soldaten haben in der Nacht zum Sonntag 25 Palästinenser festgenommen, die laut Inlandsgeheimdienst Schin Bet der radikalislamischen Hamas angehören. Einige der Festgenommenen seien "ranghohe Mitglieder" der Gruppierung. Die Festnahmen seien eine Vorsichtsmaßnahme, hieß es.

Die internationale Gemeinschaft bemüht sich derweil um Verständigung, nachdem die Gewalt in Jerusalem am Wochenende eskaliert war. Schweden, Frankreich und Ägypten beantragten eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates. Das sogenannte Nahost-Quartett aus UN, EU, USA und Russland rief alle Beteiligten zur Mäßigung auf. Israel und Jordanien müssten zusammenarbeiten, um den Status quo an den heiligten Stätten zu wahren, hieß es. In dem Konflikt geht es um den Zugang zum Jerusalemer Tempelberg, der Muslimen, Christen und Juden heilig ist. Seit einem Anschlag auf zwei Polizisten Mitte Juli sichert Israel das Areal mit Metalldetektoren und verstärkten Zugangskontrollen. Viele Muslime fordern jedoch einen uneingeschränkten Zugang zur Al-Aksa-Moschee, die als drittheiligste Stätte des Islams gilt. Am Freitag mündete der Streit in Gewalt.

Dabei wurden bei Protesten in der israelischen Hauptstadt drei Palästinenser getötet und Hunderte verletzt. Später am Abend erstach ein palästinensischer Attentäter in einer israelischen Siedlung drei Mitglieder einer Familie. Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas fror daraufhin alle Beziehungen zu Israel ein.

Am Samstag kam es erneut zu Gewalt. Im Westjordanland rückten Armee-Einheiten zum Haus des Attentäters vor, vermutlich, um das Gebäude zu zerstören. Junge Palästinenser bewarfen sie mit Steinen und Benzinbomben. Der Bruder des Attentäters wurde festgenommen.

Zudem starben bei Zusammenstößen in der Nähe von Jerusalem zwei palästinensische Jugendliche. Auf die Ausschreitungen folgten nun verbale Anschuldigungen. Der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman warf Abbas vor, den Angriff auf die jüdische Familie im Westjordanland nicht verurteilt zu haben. "Wir müssen verstehen, dass er kein Partner ist. Er sucht nicht nach Frieden", sagte der Minister der Nachrichtenseite Ynet

Der Dachverband der israelischen Siedlungen, der Jescha-Rat, teilte mit, dass das Attentat nichts mit Metalldetektoren zu tun habe. "Es gibt keine Rechtfertigung für die Ermordung eines Großvaters auf einer Feier zur Geburt seines Enkelkindes", sagte ein ranghohes Ratsmitglied.

"Israelische Regierung spielt mit dem Feuer"

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Ahmed Abul Gheit, warnte Israel vor gefährlichen Konsequenzen. "Die israelische Regierung spielt mit dem Feuer und riskiert es, eine große Krise mit der arabischen und der islamischen Welt auszulösen", sagte er nach Angaben eines Sprechers. Die muslimischen Autoritäten in Jerusalem teilten ihre "unbedingte Ablehnung der elektronischen Schranken und aller Maßnahmen der Besetzung" mit.

Die Altstadt von Jerusalem

Kompromissbereitschaft signalisierte der israelische General Joaw Mordechai, der für palästinensische Zivilangelegenheiten zuständig ist. Er sagte, Israel sei offen für Alternativen zu den Metalldetektoren, um die Spannungen zu verringern. "Das Einzige, was wir wollen, ist sicherzustellen, dass nicht wieder jemand mit Waffen hineingeht und einen weiteren Anschlag ausführt", sagte er.

Doch in der israelischen Regierung gibt es auch Stimmen, die auf den Detektoren beharren. Gilad Erdan, Minister für öffentliche Sicherheit, sprach sich dafür aus, die Detektoren so lange vor Ort zu belassen, bis eine andere Lösung gefunden ist. Israel dürfe Drohungen nicht nachgeben.   

Neue Kameras könnten Detektoren ersetzen

Mittlerweile installierte Israel neue Sicherheitskameras am Tempelberg, die die Metalldetektoren eventuell ersetzen könnten. Bislang lehnen die Palästinenser allerdings beide Maßnahmen strikt ab.

Israels Regierung und die Palästinenserführung berieten sich jeweils über das weitere Vorgehen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte an, das Haus des Attentäters vom Westjordanland werde abgerissen. Israel werde auch gegen alle vorgehen, die zu Mord aufriefen.

Ein Berater von Abbas sagte, der Paälstinenserführer habe mit mehreren mehrheitlich islamischen Staaten über Möglichkeiten zur Entspannung gesprochen, darunter Jordanien, Ägypten, Saudi-Arabien und Marokko.