Saudi-Arabien und drei weitere arabische Staaten haben das Warten im Katar-Konflikt aufgegeben. Weil das Emirat ihre Forderungen nicht erfüllt habe, würden sie erneute Sanktionen in Betracht ziehen. "Wir werden alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, politische, wirtschaftliche und rechtliche, wie und wann wir es für angebracht halten, um unsere Rechte, Sicherheit, Stabilität und Interessen vor der aggressiven Politik der Regierung Katars zu schützen", kündigten sie in einer Erklärung an, aus der arabische Medien zitierten.

Saudi-Arabien, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Ägypten warfen ihrem Nachbarn erneut vor, Terroristen zu unterstützen und die Sicherheit und Stabilität der Golfregion zu untergraben. Diesen Vorwurf führen sie als Hauptgrund für die seit vier Wochen laufende Blockade des Emirats an. Saudi-Arabien und seine Verbündeten hatten am 5. Juni ihre diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen und eine Verkehrs- und Handelsblockade gegen den gasreichen Wüstenstaat verhängt.

Ohne Einzelheiten zu möglichen Maßnahmen zu nennen, kündigten sie an, dass ihr Verhandlungsangebot vom 22. Juni nichtig sei. Einen Tag zuvor hatten sie noch erklärt, bis auf Weiteres keine neuen Sanktionen zu verhängen – obwohl der kleine, aber reiche Golfstaat 13 an ihn gestellte Forderungen offensichtlich nicht innerhalb einer gesetzten Frist erfüllt hatte. Das Wüstenemirat war per Ultimatum unter anderem aufgefordert worden, die Beziehungen zum schiitischen Iran – dem Erzrivalen des sunnitischen Königreichs Saudi-Arabien – zurückzufahren und seinen weltbekannten TV-Sender Al Jazeera zu schließen.

Katars Regierung bezeichnet den Hauptvorwurf der Terrorfinanzierung als Vorwand, um der Allianz international Unterstützung für ihre Maßnahmen zu sichern. Dabei gilt es als offenes Geheimnis, dass im Syrien-Krieg Geld aus Katar an die radikalsten Gegner der Regierung von Präsident Baschar al-Assad geht. Doch auch Saudi-Arabien ist als Förderer des islamistischen Terrorismus bekannt: Die saudi-arabische Lesart des Islam, der Wahhabismus, gilt als Quelle der Dschihad-Ideologie, auf die sich etwa die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) stützt.

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) war vor wenigen Tagen in die Region gereist, um den Dialog zu fördern und eine Eskalation des Konflikts zu verhindern.