Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hans-Peter Bartels, fordert von der Nato mehr Unterstützung im Streit um das Besuchsrecht deutscher Politiker in Konya. Die Nato müsse sich "dringend mit dem Fall beschäftigen und klarstellen, dass ein Besuchsverbot nicht akzeptabel ist", sagte Bartels der Passauer Neuen Presse. "Wenn die Türkei nicht einlenkt, sollte der Nato-Stützpunkt in ein anderes Partnerland verlegt werden." Von Konya aus starten Awacs-Aufklärungsflüge gegen die Terrormiliz IS.

Die Türkei hatte einen geplanten Besuch von Bundestagsabgeordneten bei den rund ein Dutzend deutschen Soldaten in Konya auf unbestimmte Zeit verschoben und dies mit den angespannten bilateralen Beziehungen begründet.

Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, setzte der Türkei ein Ultimatum: "Wenn es im September noch keine Möglichkeit gibt, die Soldaten in Konya zu besuchen, müssen wir mit der Nato über den Abzug der deutschen Truppen reden", sagte er derselben Zeitung. "Die Bundesregierung muss jetzt gemeinsam mit der Nato einen neuen Standort prüfen, damit wir im Ernstfall schnell reagieren können." Die von der Türkei geforderte Verschiebung des Besuchs sei nicht hinnehmbar, sagte Arnold. Damit schlägt die SPD einen härteren Kurs ein als der Koalitionspartner Union, der einen Abzug derzeit nicht thematisieren will.

Kritik äußerte Arnold an der Nato. "Es war nicht glücklich, dass Nato-Generalsekretär Stoltenberg den Streit über Incirlik als deutsch-türkisches Problem betrachtet hat. Das war ein Fehler", sagte Arnold. "Die Nato als Ganzes ist davon betroffen und kann sich Erdoğans Vorgehen nicht bieten lassen!"

Die Türkei hatte Parlamentarierbesuche bei der Bundeswehr in Incirlik untersagt, weshalb die deutschen Soldaten nun abziehen und ihre Aufklärungsflüge gegen den IS künftig von Jordanien aus fliegen.