Das Besuchsverbot für Bundestagsabgeordnete bei den deutschen Soldaten im türkischen Konya ist laut einem Bericht des Spiegel auf einen Parlamentarier der Linkspartei zurückzuführen. Türkischen Diplomaten zufolge sperre die Regierung in Ankara sich lediglich gegen den Besuch des Abgeordneten Alexander Neu, berichtet das Nachrichtenmagazin. Grund seien Neus angebliche Beziehungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK.

Der Linken-Abgeordnete Neu ist Obmann seiner Partei im Verteidigungsausschuss. Im August vergangenen Jahres hatte er im Deutschlandfunk zu den Aktivitäten der PKK in der Türkei gesagt: "Darüber kann man streiten, ob das Terrorismus ist oder nicht. Man kann auch von Staatsterrorismus sprechen." Die PKK verübt in der Türkei immer wieder schwere Anschläge. Sie steht auch in der EU und den USA auf der Liste der Terrororganisationen.

Nach Angaben der Bundesregierung hatte die türkische Regierung als Grund für den untersagten Besuch auf der Nato-Basis Konya die angespannten Beziehungen zur deutschen Regierung genannt.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel hatte am 5. Juni bei einer Pressekonferenz mit seinem türkischen Kollegen Mevlüt Çavuşoğlu den Abzug der Bundeswehr vom Luftwaffenstützpunkt Incirlik verkündet. Grund dafür war, dass die türkische Regierung deutschen Abgeordneten Besuche dort untersagt hatte. Çavuşoğlu hatte Gabriel bei der Pressekonferenz aber zugesichert: "Mit dem jetzigen Zeitpunkt ist es möglich, die Nato-Basis in Konya zu besuchen, nicht Incirlik."

Der AKP-Abgeordnete Mustafa Yeneroğlu hatte allerdings noch am selben Tag auf Twitter mitgeteilt, auch für Konya-Besuche werde gelten: "Keine Abgeordneten, die Terrororganisationen unterstützen." Als sich der Streit um Incirlik im vergangenen September zu entspannen schien, hatte Yeneroğlu gesagt: "Bei den Abgeordneten der Linken-Fraktion gehe ich davon aus, dass das türkische Außenministerium äußerst sensibel prüfen wird, ob auf der demnächst erwarteten Besucherliste auch solche sind, die die Terrororganisation PKK aktiv unterstützen."