Brasiliens ehemaliger Präsident Luiz Inácio Lula da Silva ist wegen Korruption und Geldwäsche zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Lula, der Brasilien von 2003 bis 2010 regierte, war wegen seiner Verwicklung in einen Korruptionsskandal um den staatlichen Ölkonzern Petrobras der Prozess gemacht worden.

Der 71-Jährige kann das Urteil anfechten und muss bis dahin nicht in Haft, teilte das Gericht in Curitiba mit. Im Mai hatte Lula angekündigt, er wolle im kommenden Jahr wieder als Präsidentschaftskandidat antreten. Bei einer Kundgebung vor Tausenden seiner Anhänger sagte Lula damals, die Vorwürfe gegen ihn entbehrten jeder Grundlage. "Ich dachte, dass meine Ankläger Schriftstücke, Zahlungsbelege, irgendeinen Beweis vorlegen würden. Aber sie hatten nichts", sagte Lula. "Ich möchte nicht auf Basis von Interpretationen verurteilt werden." Solange das zuständige Berufungsgericht in Porto Alegre das Urteil nicht bestätigt hat, darf Lula wie bisher für die Präsidentschaftswahl 2018 kandidieren. Die Chancen für seinen Wahlsieg stehen gut. Bei einer im Juni durchgeführten Umfrage lag Lula mit 30 Prozent weit vor allen anderen Kandidaten.

Lula wird vorgeworfen, vom Baukonzern OAS begünstigt worden zu sein. Das Unternehmen soll für den Ex-Präsidenten ein Apartment in Guarujá an der Atlantikküste renoviert haben. Die Kosten dafür lagen bei rund einer Million Euro. Im Gegenzug soll Lula der Baufirma Aufträge des halbstaatlichen Ölkonzerns Petrobras verschafft haben. Auch neun Minister der Regierung des neuen konservativen Präsidenten Michel Temer sind von den Ermittlungen zum Petrobas-Skandal betroffen, der in Brasilien Lava Jato (Autowäsche) genannt wird.

Lula war bis 2010 Präsident von Brasilien, ihm folgte Dilma Rousseff, die dann wegen angeblicher Haushaltstricksereien des Amtes enthoben wurde. Ihr konservativer Nachfolger Michel Temer ist nun wie Lula wegen Korruption angeklagt worden. Die Abgeordnetenkammer muss in den nächsten Wochen abstimmen, ob sie die Immunität Temers aufhebt und somit den Prozess gegen ihn genehmigt. Anders als Rousseff und auch Temer ist Lula in der Bevölkerung weiterhin beliebt, vor allem bei der ärmeren Bevölkerungsschicht.