Der Einsatz am Mittwochmorgen klang nach Routine für die Besatzungen der Tiger-Kampfhubschrauber: Sie sollten im Nordosten Malis für die UN-Friedensmission Minusma zu ihrem ersten bewaffneten Aufklärungsflug aufsteigen. Wie so oft seit Anfang des Jahres, seit vier dieser deutschen Hubschrauber dort stationiert sind, hoben sie ab, um die Lage um das Feldlager in Gao zu erfassen, um Gefahren am Boden zu entdecken und um das Einhalten des Friedensabkommens von 2015 zu überwachen. Die Tiger sind bewaffnet und sollen diese Waffen notfalls auch einsetzen: Minusma hat ein robustes Mandat. Für zwei deutsche Soldaten und eine Maschine sollte es der letzte Flug sein.

Als Tandem verließen zwei Tiger den deutschen Stützpunkt. Die beiden Kampfhubschrauber flogen schon eine Zeit lang über das Einsatzgebiet, als eine der Maschinen gegen 14:20 Uhr Mitteleuropäischer Zeit plötzlich Probleme bekam und abstürzte, gut 70 Kilometer nordöstlich von Gao, wo das zentrale deutsche Feldlager für die Sahel-Region liegt. Den Piloten gelang es nicht einmal mehr, einen Notruf über Funk abzusetzen. Die Besatzung des zweiten Hubschraubers informierte das deutsche Kommando über den Absturz. Für die beiden deutschen Piloten der am Boden zerschellten Maschine kam jede Hilfe zu spät.

Noch bevor die Angehörigen in Deutschland informiert waren, wurde über den Crash berichtet. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen gab den Tod der beiden Soldaten erst am Abend in Berlin offiziell bekannt: "Ihr Auftrag war ein Beitrag zu unserer Sicherheit." Die Opfer sind die ersten Toten der Bundeswehr in Mali und die ersten Toten in einem Auslandseinsatz seit 2015.

Gefährlichste UN-Mission weltweit

Frankreich hat bereits mehrere Soldaten in dem westafrikanischen Land verloren – auch durch Angriffe. So explodierte im April 2016 unter einem gepanzerten Fahrzeug der Franzosen ein Sprengkörper. Drei Männer starben. Und auch Patrouillen der Bundeswehr gerieten in Nord-Mali bereits unter Feuer: Aus großer Entfernung sollen sie mit Gewehren beschossen worden sein. Verwundet wurde dabei niemand. Zudem, so berichteten es Soldaten dem Wehrbeauftragten, komme es auf der Straße von Bamako nach Gao öfter zu Anschlägen auf die Versorgungskonvois der Minusma-Truppe durch versteckte Sprengsätze.

"Der Einsatz gilt als die gefährlichste UN-Mission weltweit", räumt das Bundesverteidigungsministerium in Berlin ein. Minusma sei ein Einsatz mit Risiken für die deutschen Soldaten, das sagen auch Politiker seit Langem. Die internationale Truppe soll das Land stabilisieren, den brüchigen Frieden überwachen, den Terror eindämmen und verhindern, dass Islamisten dort einen Rückzugsraum erhalten, nur drei Flugstunden von Europa entfernt. Dazu sind im Nordosten Malis 875 deutsche Soldaten mit gepanzerten Radfahrzeugen Dingo und Eagle, Spähpanzern des Typs Fennek, Aufklärungsdrohnen, NH-90-Transporthelikoptern und den ehemals vier Tiger-Kampfhubschraubern stationiert. Feinde haben sie in dem westafrikanischen Land genug. Dort operieren Milizen, Terroristen, Drogen- und Menschenhändler.

Die Mission war von Anfang an umstritten. Als das deutsche Engagement in Mali 2013 aufgenommen wurde, kritisierte die Opposition, das Ende und der Erfolg des Einsatzes seien nicht absehbar. Und tatsächlich: Während der deutsche Beitrag für Afghanistan immer kleiner wird, stockte der Bundestag das Kontingent für Mali auf. Im Januar stimmte die Mehrheit der Abgeordneten dafür, die Kampfhubschrauber nach Mali zu verlegen und die Mandatsobergrenze auf 1.000 Soldaten zu erhöhen. Die Auslandsmission in Mali ist aktuell die zweitgrößte der Bundeswehr – nach Afghanistan.