Venezuelas Präsident Nicolás Maduro will an seiner umstrittenen Parlamentsreform festhalten. Die Wahl einer verfassungsgebenden Versammlung werde wie geplant in einer Woche stattfinden, kündigte Maduro bei seinem wöchentlichen TV-Auftritt an. Die geplante Versammlung könnte die Verfassung ändern und das derzeit von der Opposition dominierte Parlament auflösen. Regierungsgegner befürchten, dass Maduro mit einer neuen Verfassung eine Diktatur errichten will und fordern Neuwahlen.

US-Präsident Donald Trump hatte Maduro mit Wirtschaftssanktionen gedroht, sollte dieser die Verfassungsreform umsetzen. "Die imperiale Rechte denkt, dass sie Venezuela Befehle geben kann, aber nur das Volk kann hier Befehle geben", sagte Maduro mit Blick auf die angedrohten Maßnahmen.

Die Opposition rief für die kommende Woche zu Massendemonstrationen und Generalstreiks auf, um gegen die geplante Abstimmung zu protestieren. "Wir rufen das gesamte Volk in allen Branchen zu einem 48-stündigen Streik auf", sagte der Abgeordnete Simón Calzadilla. Das Volk werde mit großer Entschlossenheit dem Betrug der verfassunggebenden Versammlung entgegentreten. Maduro sagte, dass seine Regierung unerbittlich sein werde, sollte die Opposition versuchen, einen "gewalttätigen Prozess" in Gang zu setzen, um zu verhindern, was nicht zu verhindern sei. Erst am Donnerstag waren bei einem Generalstreik zwei Menschen getötet worden.


Seit April war es immer wieder zu Unruhen gekommen, mehr als 100 Menschen wurden dabei getötet, Tausende weitere verletzt. Am Samstag hatten Militärkräfte eine Kundgebung in der Hauptstadt Caracas mit Tränengas und Gummigeschossen aufgelöst. Mehrere Menschen wurden verletzt, unter ihnen fünf Journalisten und der Musiker Wuilly Arteaga, der die Kundgebungen der Opposition regelmäßig Geige spielend begleitet.

Maduro war 2013 mit knapper Mehrheit zum Präsidenten gewählt worden. Wegen des niedrigen Ölpreises befindet sich das Land in einer Wirtschaftskrise mit massiven Versorgungsengpässen. Vor zwei Jahren siegte die Opposition in der Parlamentswahl und stellt seitdem die Mehrheit im Parlament. Maduro ignoriert die Volksvertretung und wirft der Opposition vor, Handlanger für einen von den USA gesteuerten Umsturzversuch zu sein. Mithilfe des Obersten Gerichtshof hatte er das Parlament zeitweise entmachtet.

Am Freitag hatte das Parlament dann 33 Richter ernannt, die den Gerichtshof erneuern sollen. Einer dieser Richter war nach Angaben der Zeitung El Nacional am Tag darauf vom venezolanischen Geheimdienst Sebin festgenommen worden. Der stellvertretende Parlamentsvorsitzende Freddy Guevara bezeichnete die Festnahme als Staatsterror, die Regierung hält die Ernennung der Richter für illegal.