Nach dem Test einer Interkontinentalrakete hat Nordkorea den USA mit weiteren Übungen gedroht. Machthaber Kim Jong Un habe seine Wissenschaftler aufgefordert, regelmäßig "kleine und große Geschenke" an "die Yankees" zu schicken, teilte die staatliche Nachrichtenagentur KCNA mit. Kim frohlockte, die USA seien offenbar nicht erfreut über das "Paket von Geschenken", das er ihnen an ihrem Unabhängigkeitstag gemacht habe. Nordkorea hatte die Interkontinentalrakete am in den USA historisch bedeutsamen 4. Juli abgefeuert.

Die USA und Südkorea reagierten mit Raketenübungen. Südkoreanische Soldaten testeten ein Raketensystem und feuerten Präzisionsgeschosse in die Gewässer vor Südkorea, wie die US-Armee mitteilte. Das US-Militär bezeichnete die Übung, von der es auch Videos verbreitete, als Antwort auf Nordkoreas "destabilisierendes und ungesetzliches" Verhalten.

Nordkorea hatte verkündet, erstmals eine Interkontinentalrakete des Typs Hwasong-14 getestet zu haben, die "jeden Ort der Welt erreichen" kann. Sie habe eine Höhe von 2.802 Kilometern erreicht und sei 933 Kilometer weit geflogen. Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA meldete, die Rakete könnte mit einem "großen Atomsprengkopf" bestückt werden. Demnach sagte Staatschef Kim Jong Un, der erfolgreiche Test vervollständige das strategische Waffenprogramm seines Landes, das Atomwaffen, Wasserstoffbomben und Langstreckenraketen umfasse. Das US-Verteidigungsministerium bestätigte schließlich, dass es sich um eine Langstreckenrakete gehandelt habe.

Experten schlossen aus den nordkoreanischen Angaben, dass das Geschoss den US-Bundesstaat Alaska erreichen könnte. Die Führung des isolierten Landes arbeitet ungeachtet scharfer internationaler Proteste und gerade erst verschärfter UN-Sanktionen seit Jahren an der Entwicklung von Langstreckenraketen, mit denen atomare Sprengköpfe bis in die USA getragen werden könnten. Militärexperten zufolge ist Nordkorea aber noch Jahre davon entfernt, eine Interkontinentalrakete mit einem atomaren Sprengkopf bestücken zu können. Der UN-Sicherheitsrat hatte die Sanktionen gegen das kommunistische Land nach den jüngsten Raketentests Nordkoreas im Juni bereits ausgeweitet.

USA drohen schärfere Sanktionen an

US-Außenminister Rex Tillerson forderte die internationale Gemeinschaft zu einer Reaktion auf den Raketentest auf. "Alle Nationen sollten Nordkorea öffentlich klarmachen, dass es Konsequenzen für sein Streben nach Atomwaffen gibt", sagte er. Der Test stelle eine "neue Eskalation der Bedrohung für die Vereinigten Staaten, unsere Verbündeten und Partner, die Region und die Welt dar".

Tillerson sprach sich für härtere Sanktionen gegen Nordkorea aus. Jedes Land, das nordkoreanische Arbeiter beschäftige, Nordkorea wirtschaftliche oder militärische Unterstützung gebe oder sich nicht an die Resolution des Sicherheitsrats halte, unterstütze ein gefährliches Regime, sagte er. Die USA würden nie ein Nordkorea mit Nuklearwaffen akzeptieren. In der Erklärung kam Tillerson bemerkenswerterweise nicht auf China zu sprechen, dessen Unterstützung die Regierung unter US-Präsident Donald Trump normalerweise immer sucht, um Druck auf das Regime auszuüben.  

Auch UN-Generalsekretär António Guterres prangerte den Test als eine weitere "dreiste Verletzung" von UN-Sanktionen und als "gefährliche Eskalation" an. Südkoreas Verteidigungsminister Han Min Koo rechnet in Kürze mit einem sechsten Atombombentest. "Wir wissen, dass sie immer auf einen Atomtest vorbereitet sind, aber wir haben bislang keine ungewöhnlichen Anzeichen bemerkt", sagte er vor dem Parlament.

Die USA, Japan und Südkorea forderten eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats hinter verschlossenen Türen. Diplomaten zufolge tritt das wichtigste UN-Gremium am Mittwoch zu Beratungen über Nordkorea zusammen.

USA und Südkorea lehnen russisch-chinesische Konfliktlösung ab

Russland und China hatten zuvor einen Vorschlag zur Entschärfung des Konflikts unterbreitet: Nordkorea solle seine Raketentests einstellen, während die USA und Südkorea auf großangelegte Manöver verzichten sollten, sagten die Präsidenten Wladimir Putin und Xi Jinping nach einem Treffen in Moskau. Danach sollten beide Seiten Gespräche führen und sich verpflichten, keine Gewalt anzuwenden und nicht aggressiv zu agieren. Das jüngste Manöver läuft dieser Idee allerdings zuwider.

Die Bemerkung des nordkoreanischen Machthabers bestätigte, dass der Zeitpunkt des jüngsten Starts als politisches Zeichen gedacht war: Er erfolgte nach nordkoreanischer Ortszeit am US-Unabhängigkeitstag, wenige Tage nach dem ersten persönlichen Treffen von US-Präsident Donald Trump und seinem südkoreanischen Kollegen Moon Jae In sowie kurz vor dem Treffen der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer in Hamburg.