Die prorussischen Separatisten haben in der Ostukraine einen neuen Staat ausgerufen. Die Regionen Donezk und Luhansk sollen künftig zusammen einen Staat namens Malorossija (Kleinrussland) bilden. "Wir gehen davon aus, dass die Donezker Volksrepublik und die Luhansker Volksrepublik neben der Krim die einzigen Territorien der Ukraine sind, in denen eine gesetzliche Regierung gewahrt wurde", sagte der Separatistenführer Alexander Sachartschenko. Er kündigte einen dreijährigen Ausnahmezustand in den von Kiew abtrünnigen Gebieten an, der unter anderem ein Verbot von Parteien vorsieht. Danach soll eine Verfassung ausgearbeitet und zur Volksabstimmung vorgelegt werden. 

Die ukrainische Regierung kritisierte die Proklamation. Sie könne die Verhandlungen "vollständig blockieren", sagte der ukrainische Botschafter bei den Friedensgesprächen mit den Rebellen, Jewgen Martschuk, dem Fernsehsender 112.

Teile der sogenannten Volksrepubliken Luhansk und Donezk, die als solche international nicht anerkannt sind, stehen seit April 2014 unter Kontrolle der von Moskau unterstützten Aufständischen. Diese hatten nach dem Sturz des russlandfreundlichen Präsidenten Viktor Janukowitsch im Osten der Ukraine 2014 einen bewaffneten Aufstand begonnen und mehr Autonomie gefordert. Bei Kämpfen mit Regierungstruppen wurden mehr als 10.000 Menschen getötet.

Ursprünglich wollten die prorussischen Rebellen um Sachartschenko einen neuen Staat "Neurussland" aus großen Gebieten des Südens und Ostens der Ukraine schaffen. Mehrfach erklärten sie den Anschluss an Russland zum Ziel – nach dem Vorbild der im Februar 2014 annektierten Halbinsel Krim. Der Kreml lehnt dies ab, erkennt aber die Pässe aus den Separatistengebieten an.

Der russische Außenpolitiker Leonid Kalaschnikow verwies auf den international vermittelten Minsker Friedensplan, wonach die Autonomie der Rebellengebiete Autonomie erhalten bleiben, aber wieder unter die Kontrolle der Regierung in Kiew gestellt werden sollen. Die ukrainische Regierung sollte dort Regionalwahlen zulassen.

Diese politischen Teile des Abkommens wurden bislang nicht umgesetzt – und die einseitige Proklamation der Separatisten macht dies auch umso unwahrscheinlicher. Deren Anführer Sachartschenko machte klar, dass der einstige ukrainische Staat nicht wiederhergestellt werden könne. "Wir, die Vertreter der Regionen der früheren Ukraine, ausgenommen die Krim, proklamieren die Bildung eines neuen Staates, der Nachfolger der Ukraine ist." Aus Russland hieß es: "Die Separatisten müssen vorsichtig sein."