Die internationale Presse konzentriert sich in ihrer Bewertung des G20-Gipfels vor allem auf die Frage, wie sich innerhalb der G20 die Machtverhältnisse neu ordnen. Auch die Proteste der Gipfelgegner sind ein Thema.

Jon Sopel von BBC News glaubt, dass nur das Treffen vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Erinnerung bleiben wird.

Auch die Londoner Times blickt auf die Rolle Trumps: "Der US-Präsident hat sich mit seiner Entscheidung für den Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkommen, das gestern von 19 der G20-Staaten bekräftigt wurde, von seinen Amtskollegen abgewendet. Bei dem Gipfeltreffen musste er mit anhören, wie Chinas Präsident Xi Jinping sich als Vorkämpfer der Globalisierung präsentierte." In Angela Merkel sieht die Zeitung keine neue Führerin des Westens: "Merkel hat den Vorteil politischer Langlebigkeit, aber sie hat nie eine Neigung gezeigt, über die europäische Bühne hinauszugehen. Ihr Ziel ist es, die Europäische Union zu verteidigen und zu bewahren, die vorteilhaft für die deutschen Exporteure ist." 

Ähnlich sieht es The Observer aus London: "Schlagzeilen haben in jüngster Zeit nahegelegt, dass Angela Merkel als Führerin der westlichen Welt angesehen werden sollte – statt Donald Trump. Für viele ist Merkel de facto zur Präsidentin Europas und zur globalen Bannerträgerin fortschrittlicher Politik geworden. Das ist eine schwere Bürde. Aber irgendwie ist das auch einfältig. Merkel selbst weist die Rolle der Retterin klugerweise von sich." 

Die Neue Zürcher Zeitung am Sonntag beschäftigt sich mit den Protesten der Gipfelgegner: "Für sie sind solche Treffen an allen Übeln der Globalisierung schuld: steigende Ungleichheit, Ausbeutung der Natur, Auswüchse des Finanzkapitalismus. Die Liste lässt sich beliebig verlängern, genauso wie jene der Gewalttaten der vergangenen Tage. Doch all die wütenden Demonstranten täuschen sich. Als das G20-Treffen 1999 aus der Taufe gehoben wurde, ging es in erster Linie darum, die Globalisierung zu zähmen."

Auch die Kritik der Demonstranten am Vorgehen der Gipfelteilnehmer zielt ins Leere. "Bisher galt an G20-Gipfeln das Konsensprinzip, also eben nicht das Recht des Stärkeren. Das ist oft sehr harzig und resultiert in Wortwolken, deren Tragweite nur Eingeweihte verstehen. Aber das Resultat ist eine Politik des steten Tropfens, der den Stein höhlt, getragen von Nationen, die zwei Drittel der Weltbevölkerung und vier Fünftel der globalen Wirtschaftsleistung repräsentieren." 

Die italienische Tageszeitung La Repubblica geht auf die Krawalle ein: "Das Herz eines Hamburgs, das sich seit drei Tagen im Kriegszustand befindet, ist die Geisel des Terrors. (...) Die digitale Generation, die von einer weniger unfairen Globalisierung träumt, blutet plötzlich aus an einer Vene, die von einer alten Gewalt durchlöchert ist, die sie weder verstehen noch aufhalten kann. Doch in den Restaurants, Supermärkten und Geschäften, die von Tausenden hinter den Kapuzen ihrer Jacken und Sturmhauben versteckten jungen Leuten zerstört wurden, sind keine Politiker zu finden. Es gibt keine dominierende politische Idee, keine gemeinsamen Ziele, keine historische Ideologie, kein rechts und kein links. (...) Jede Gruppe (...) kämpft ihre eigene Schlacht."