Der Sprecher von US-Präsident Donald Trump ist zurückgetreten. Grund für den Schritt von Sean Spicer ist demnach die Berufung des Wall-Street-Bankers und Trump-Unterstützers Anthony Scaramucci zum neuen Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses. Schon vor der Bestätigung durch Spicer hatten unter anderem die Washington Post und die New York Times unter Berufung auf Quellen innerhalb der US-Regierung über den Rücktritt berichtet. "Es war eine Ehre und ein Privileg, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, sowie diesem wunderbaren Land zu dienen", schrieb Spicer später auf Twitter.

Spicer soll zu Trump gesagt haben, die Entscheidung für Scaramucci sei "ein großer Fehler", schreibt die New York Times. CNN berichtet, Trump habe Spicer – vergeblich – darum gebeten, seinen Posten auch unter dem neuen Kommunikationsdirektor Scaramucci zu behalten. Spicers Stellvertreterin Sarah Huckabee Sanders ist bereits offiziell als Nachfolgerin benannt.

Scaramucci tritt die Nachfolge von Michael Dubke an, der im Mai zurückgetreten war. Auf dem Posten soll er sich vor allem um die grundsätzlichen und strategischen Fragen des Umgangs des Weißen Hauses mit der Öffentlichkeit kümmern, während der Pressesprecher für die tagtägliche Kommunikation mit den Medien verantwortlich ist.

Diese interaktive Präsentation kann mit Ihrem Browser nicht dargestellt werden.
Lesen Sie die Übersicht zum Team Trump: Kabinett, Berater und Familie in einer optimierten Fassung.

Wieder ein Mann mit Nähe zur Wall Street

Für den wohlhabenden Investor und Financier ist diese Aufgabe eine gänzlich neue. So wie Trump ist auch Scaramucchi ein politischer Neuling und Außenseiter, dem schon länger ein schwieriges Verhältnis zu Spicer und zu Stabschef Reince Priebus nachgesagt wird – beide gehören zum inneren Zirkel der republikanischen Partei. Allerdings sagte Priebus kurz nach Spicers Rücktritt, er unterstütze Scaramucci zu "100 Prozent". Er und der designierte Kommunikationsdirektor seien "sehr gute Freunde".

Scaramucci gründete die Investmentfirma SkyBridge Capital und arbeitete früher für das Investmenthaus Goldman Sachs, dem auch zahlreiche führende Figuren in Trumps Administration – etwa Wirtschaftsberater Gary Cohn und Finanzminister Steven Mnuchin – entstammen. Scaramucci wiederum sammelte bereits Spenden für Trumps Republikaner und verteidigte den Präsidenten immer wieder bei Fernsehauftritten. Zuletzt gehörte der 53-Jährige in der Übergangsphase nach der Wahl und vor der Amtseinführung Trumps zu dessen engem Beraterkreis.

Dies galt auch für Sean Spicer, der in seiner Zeit als Sprecher des Weißen Hauses vielfach in der Kritik stand und oftmals Hohn und Spott ertragen musste. Gleich am ersten Tag nach der Amtseinführung des neuen Präsidenten stritt sich der 45-Jährige mit den anwesenden Journalisten über die Zahl der Besucher bei der Zeremonie vor dem Kapitol in Washington. Auch in den folgenden sechs Monaten gelang es ihm nicht, die Differenzen mit der Presse zu überwinden. Beinahe täglich lieferte er sich Auseinandersetzungen mit den von Trump als "Feinde des amerikanischen Volkes" bezeichneten Medien. Viele Fragen der Pressevertreter ließ er unbeantwortet.

Flucht in den Rosengarten

Für die größte Empörung sorgte Spicer Mitte April, als er den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad mit Adolf Hitler verglich. Nicht einmal jemand, der so "verabscheuungswürdig" gewesen sei wie der deutsche Diktator, sei so tief gesunken wie Assad und habe chemische Waffen eingesetzt. Er entschuldigte sich kurz darauf, dennoch folgten Rücktrittsforderungen. Einmal soll er sich in den Garten des Weißen Hauses geflüchtet haben, um Reporterfragen zu entgehen. Nicht erst diese Episode lieferte den Machern der Sendung Saturday Night Live genug Material für die Schauspielerin Melissa McCarthy, die Spicer parodierte.

Zuletzt hatte sich Spicer aus der Öffentlichkeit stärker zurückgezogen und die Pressebriefings seiner bisherigen Stellvertreterin Sanders überlassen. Immer wieder war darüber spekuliert worden, dass Trump unzufrieden mit seiner Arbeit sei und Spicer vor der Entlassung stehe.

Vor seiner Zeit im Weißen Haus war Spicer Sprecher der Republikanischen Partei und seit 2015 auch deren Chefstratege. Zuvor hatte er als stellvertretender Handelsbeauftragter für Medien und öffentliche Angelegenheiten für die Regierung des damaligen Präsidenten George W. Bush gearbeitet.

Russlandaffäre kommende Woche im Senat

Trumps Team kämpft zurzeit mit sinkenden Umfragewerten und den Auswirkungen der Russlandaffäre. Dabei geht es im Kern um die Frage, ob die Regierung in Moskau die US-Präsidentenwahl im vergangenen Jahr beeinflusste und ob es geheime Absprachen zwischen Trumps Wahlkampfteam und russischen Vertretern gab. Russland und Trump haben dies stets zurückgewiesen.

In der kommenden Woche sollen Trumps Sohn Donald Jr., sein Schwiegersohn Jared Kushner und sein früherer Wahlkampfmanager Paul Manafort vor Kongressausschüssen aussagen. Dabei geht es auch um ein Treffen zwischen Trump Jr. und der russischen Anwältin Natalia Wesselnizkaja im vergangenen Jahr. Gerichtsunterlagen zufolge vertrat sie jahrelang den russischen Geheimdienst FSB in einem Streit um eine Moskauer Immobilie.