Bis zum Ende der Friedensverhandlungen in Kasachstan soll nach Angaben des syrischen Militärs im Süden des Landes eine Waffenruhe gelten. Damit wolle die Armee den Friedensprozess  unterstützen. Die Feuerpause in den Provinzen Daraa, Kuneitra, und Suweida solle bis zur Nacht vom 6. Juli gelten.

Die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die sich vor Ort auf ein dichtes Netz von Informanten stützt, bestätigte, dass die Kämpfe in den drei südlichen Provinzen "fast vollständig" zum Erliegen gekommen seien.

In der kasachischen Hauptstadt Astana sollen am Dienstag und Mittwoch unter der Vermittlung Russlands, des Irans und der Türkei erneut Gespräche zum Syrien-Konflikt stattfinden. Bisherige Friedensgespräche hatten zu keiner Lösung geführt. Die russische und die iranische Regierung sind Verbündete des Assad-Regimes, die Türkei unterstützt eigentlich die Rebellen. Die Friedensverhandlungen in Kasachstan gehen bereits in die fünfte Runde. Auch die Vermittlungsbemühungen der Vereinten Nation in Genf scheiterten bislang. Die nächsten Friedensverhandlungen in der Schweiz finden am 10. Juli statt. 

Beim letzten Treffen in der kasachischen Hauptstadt Anfang Mai hatten sich Russland, die Türkei und der Iran auf die Einrichtung von vier sogenannten Deeskalationszonen in Syrien verständigt. Eine davon umfasst die drei Provinzen, für die nun die Waffenruhe ausgerufen wurde.

Die syrische Regierung drohte zugleich den USA bei erneuten Angriffen mit Vergeltungsschlägen. Der syrische Vize-Außenminister Faisal Mokdad sagte: "Die USA müssten sich der Möglichkeiten des Gegenschlags bewusst sein und wissen, dass die Antwort Syriens und seiner Verbündeten anders sein wird als nach dem ersten Angriff."

Die USA hatten den syrischen Machthaber Baschar al-Assad für einen Giftgas-Angriff im syrischen Chan Scheichun verantwortlich gemacht, bei dem 87 Menschen getötet worden waren. Als Gegenreaktion beschoss die US-Armee den syrischen Luftwaffenstützpunkt Al-Schairat mit Marschflugkörpern. 

Streit um Giftgas-Einsatz

Die Organisation für das Verbot von chemischen Waffen (OPCW) hatte in der vergangenen Woche einen Bericht vorgelegt, der den Einsatz eines chemischen Kampfstoffes wie Saringas oder "einer Saringas-ähnlichen Substanz" bei dem Angriff auf Chan Scheichun bestätigt hatte. Westliche Regierungen sind der Überzeugung, dass das syrische Militär den chemischen Kampfstoff einsetzte, obwohl der Bericht die Verantwortung nicht explizit der Regierung anlastete. 

In dem seit mehr als sechs Jahren andauernden Bürgerkrieg in Syrien wurden bereits mehr als 320.000 Menschen getötet und Millionen weitere in die Flucht getrieben. Große Teile des Landes liegen in Trümmern.