Der frühere georgische Präsident Michail Saakaschwili ist ab sofort staatenlos. Wie das Büro des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko mitteilte, hat das Land ihm die Staatsbürgerschaft entzogen. Ende 2015 hatte Georgien Saakaschwilis Pass für ungültig erklärt, nachdem er Bürger der Ukraine geworden war. Derzeit hält sich Saakaschwili nach Angaben seiner Sprecherin in New York auf.

Der Fall Saakaschwili beschäftigt die Ukraine und Georgien seit Längerem: Wiederholt hatte die Regierung in Tbilissi die ukrainische Regierung um eine Auslieferung des Ex-Präsidenten ersucht. In Georgien liegt ein Haftbefehl gegen Saakaschwili wegen Machtmissbrauchs vor. Während seiner Regierungszeit von 2004 bis 2013 soll er unter anderem Haushaltsgelder verschwendet haben. Saakaschwili selbst bezeichnet die Ermittlungen als politisch motiviert.

Poroschenko selbst hatte Saakaschwili, einen erklärten Gegner Russlands, ins Land geholt. 2015 war er Staatsbürger der Ukraine geworden, um den Posten des Gouverneurs von Odessa zu übernehmen. Nach einer turbulenten 18-monatigen Amtszeit gab er jedoch auf – auch im Streit mit Poroschenko um Zollerleichterungen für Odessa.

In der vergangenen Woche hatte Poroschenko sich mit dem georgischen Ministerpräsidenten Giorgi Kwirikaschwili getroffen. Saakaschwili mutmaßte später auf Facebook, bei einem der Treffen sei es um seine Person gegangen. Offenbar behielt er recht: Das Büro des ukrainischen Präsidenten teilte später mit, Saakaschwili habe gegen die Vorschriften zur Einbürgerung verstoßen. In seinem Antrag habe er "falsche Angaben" gemacht. Nähere Angaben machte das Büro nicht.

Auf Facebook schrieb Saakaschwili, er werde um sein Recht auf Rückkehr in die Ukraine kämpfen. Er sprach von einem "Versuch, mich zu einem Flüchtling zu machen". Poroschenko habe eine rote Linie überschritten und wolle ihn mundtot machen. Dennoch werde er nach Kiew zurückkehren, wo am Donnerstag zahlreiche seiner Anhänger für ihn demonstrierten. Unklar ist jedoch, was mit Saakaschwili im Falle einer Rückkehr geschieht. Experten sind der Ansicht, er könnte dann in seine einstige Heimat Georgien ausgeliefert werden.