Wenige Tage vor der Wahl einer neuen Verfassungsversammlung in Venezuela haben die USA Sanktionen gegen 13 ranghohe Personen aus Regierung, Militär und dem staatlichen Ölunternehmen PDVSA verhängt. Betroffen seien unter anderem die Chefs von Armee und Polizei, der Wahlleiter und der PDVSA-Vizepräsident. Strafmaßnahmen gegen die Wirtschaft würden in Betracht gezogen, seien aber noch ausgespart worden, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf US-Regierungskreise. Zugleich drohte das US-Finanzministerium mit Sanktionen gegen alle Personen, die sich in die umstrittene Verfassungsversammlung wählen lassen. "Jeder, der sich in die verfassungsgebende Versammlung wählen lässt, sollte wissen, dass ihn deswegen US-Sanktionen treffen könnten", sagte Finanzminister Steven Mnuchin.

Maduro kritisierte die Sanktionen als "unverschämte Maßnahme". Das Volk werde über den Imperialismus siegen, sagte er. Demonstrativ kündigte er Ehrungen für die betroffenen Personen an. "Ich werde dieser Gruppe von Venezolanern eine sehr, sehr spezielle Anerkennung zuteilwerden lassen."

Die verfassungsgebende Versammlung soll am Sonntag gewählt werden und 545 Mitglieder umfassen. Die Opposition will die Wahl boykottieren, da die von Maduro geplante Zusammensetzung und der Wahlmodus den seit 1999 regierenden Sozialisten eine Mehrheit sichern werden. Sie werfen Maduro vor, eine Diktatur und einen staatlichen Umbau nach dem Vorbild Kubas anzustreben, und fordern vorgezogene Präsidenten- und Parlamentswahlen.

Am Mittwoch startete die Opposition einen zweitägigen Generalstreik und weitere Protestaktionen gegen die Wahl. Während des Streiks starben mindestens zwei Personen, darunter ein 16-Jähriger in Caracas. In der Stadt Ejido im Bundesstaat Mérida starb bei Auseinandersetzungen mit staatlichen Einsatzkräften zudem ein 30-jähriger Mann, wie die Behörden mitteilten.

Zahlreiche Straßen der Hauptstadt Caracas waren menschenleer, Geschäfte blieben geschlossen. Einwohner errichteten Barrikaden und forderten auf Spruchbändern ein "Ende der Diktatur". Für Freitag planen die Regierungsgegner in Caracas einen großen Protestmarsch. In den Arbeiterwohnvierteln und den ländlichen Gebieten, wo Maduros Regierung ihren größten Rückhalt hat, waren die Aktionen deutlich zurückhaltender. Seit Beginn der Protestwelle gegen Maduro Anfang April wurden in dem südamerikanischen Land mehr als 100 Menschen getötet und Tausende weitere verletzt.

Trotz der Proteste und Unruhen hält Maduro an der Wahl fest. Die Abstimmung zur Verfassungsversammlung soll von 232.000 Soldaten abgesichert werden.