Die Gespräche über eine Wiedervereinigung Zyperns, vermittelt durch die UN, sind ergebnislos zu Ende gegangen. "Ich bin sehr enttäuscht", sagte UN-Generalsekretär António Guterres im Schweizerischen Crans-Montana. Griechenland und die Türkei hätten trotz aller Anstrengungen kein Abkommen geschlossen. Er ging aber davon aus, dass neue Initiativen gestartet würden.

Unter anderen hatten der griechisch-zyprische Präsident Nikos Anastasiadis und der Präsident der Türkischen Republik Nordzypern, Mustafa Akıncı nach einer Lösung gesucht.

Nachbarländer geben sich gegenseitig die Schuld

Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu schob Griechenland und den Griechen in Zypern die Schuld am gescheiterten Abkommen zu, da sie auf einen Abzug der türkischen Truppen auf der Insel gepocht hatten. Für die Türkei und die türkischen Zyprer sei es undenkbar, dass alle Soldaten Nordzypern verlassen.

Dagegen kritisierte der zyprische Regierungssprecher Nikos Christodoulides die türkische "Obsession" mit Truppen vor Ort und dem Recht, militärisch einschreiten zu dürfen. Dennoch stimmte der Sprecher Guterres zu, dass eine Einigung noch nicht ganz vom Tisch sei. Die derzeitige inakzeptable Situation könne nicht Zyperns Zukunft sein. Ganz ähnlich äußerte sich der griechische Außenminister Nikos Kotzias auf Twitter.

Wer bekommt Morfou? Und wer darf wo bauen?

Ein weiterer Streitpunkt war, wie die Insel im Falle der Vereinigung in ein zyprisch-griechisches und ein zyprisch-türkisches Gebiet aufgeteilt werden soll. Die Türkei habe darauf bestanden, dass Türken das Recht behalten müssen, im griechischen Zypern zu bauen sowie Geld, Dienstleistungen und Güter dorthin zu bringen. Außerdem konnten sich beide Seiten nicht einigen, an wen die Stadt Morfou gehen solle – ganz an Griechenland oder geteilt an beide.

Die Mittelmeerinsel Zypern ist geteilt, seit das türkische Militär im Jahr 1974 den nördlichen Teil der Insel eingenommen hatte. Bis heute sind mehr als 35.000 türkische Soldaten auf Zypern stationiert. Zu den ungelösten Fragen vor einer Wiedervereinigung gehören die künftige Machtteilung, die Gebietsaufteilung und die Besitzrechte auf der Insel. An den Gesprächen sind griechische und türkische Zyprer sowie die Türkei, Griechenland und die frühere Kolonialmacht Großbritannien als Garantiestaaten beteiligt.

Zypern - Der verlassene Flughafen von Nikosia Seitdem die Insel in einen griechischen und einen türkischen Teil aufgeteilt ist, liegt der Flughafen in der Pufferzone entlang der Waffenstillstandslinie. © Foto: Sakis Gioumpasis