Die Polizei hat in Indonesien laut einem Bericht von Amnesty International in diesem Jahr 60 mutmaßliche Drogenhändler getötet. Das seien mehr als drei Mal so viel wie im gesamten Jahr zuvor, teilte die Organisation mit. Die Entwicklung geht auf eine veränderte Politik zurück: Im vergangenen Monat hatte Indonesiens Präsident Joko Widodo angeordnet, dass die Polizei "gnadenlos" auf Drogenhändler schießen solle, wenn diese sich einer Festname widersetzen.

Der Generalsekretär von Amnesty in Indonesien, Usman Hamid, sprach von einer "schockierenden Eskalation". Die indonesischen Behörden würden sich ein Beispiel an den Philippinen nehmen. Dort billigt Präsident Rodrigo Duterte im Kampf gegen tatsächliche und vermeintliche Drogenhändler ausdrücklich auch Selbstjustiz. "Die Behörden müssen sich daran erinnern, dass jeder – auch Leute, denen Drogenvergehen zur Last gelegt werden – ein Recht auf Leben hat, das zu allen Zeiten respektiert werden muss."

Auf den Philippinen hatte Duterte nach seinem Wahlsieg im vergangenen Jahr der Drogenszene den Krieg erklärt. In den vergangenen zwölf Monaten wurden nach Schätzungen von Menschenrechtlern bereits mehr als 7.000 Menschen getötet, die mit Drogen zu tun gehabt haben sollen. Duterte brüstete sich damit, vor seiner Zeit als Präsident auch selbst Kriminelle getötet zu haben.