Das britische Innenministerium hat bis zu 100 Menschen aus der EU und anderen europäischen Ländern versehentlich mit Abschiebung gedroht. Das teilte ein Sprecher des Ministeriums mit. Mitarbeiter würden sich mit den Betroffenen in Verbindung setzen und klarstellen, dass sie die Aufforderung das Land zu verlassen, ignorieren können. "Wir lassen keinen Zweifel daran, dass sich die Rechte von EU-Bürgern, die im Vereinigten Königreich leben, nicht ändern." 

Heraus kam die Panne, als der Guardian über den Fall einer Wissenschaftlerin aus Finnland berichtete. Sie hatte nach dem Brexit-Votum im vergangenen Jahr einen Antrag auf eine Niederlassungserlaubnis gestellt. Der Antrag wurde abgelehnt, sie wurde aufgefordert, Großbritannien innerhalb eine Monats zu verlassen.

Wie ihr ging es vielen EU-Bürgern. Ihre Anträge dauerhaft in Großbritannien zu bleiben wurden aufgrund formaler Kriterien abgelehnt. Stattdessen wiesen die Behörden die Antragsteller an, das Land unverzüglich zu verlassen.

Die finnische Wissenschaftlerin hat inzwischen einen Anruf erhalten, dass sie der Aufforderung nicht nachkommen müsse. Die Mitarbeiter hätten sich bei ihr für die Panne entschuldigt – ihr aber nicht zugesichert, entstandene Anwaltskosten von umgerechnet fast 4.500 Euro zu erstatten. "Das wäre der beste Weg sich zu entschuldigen", sagte sie dem Guardian.

Derzeit leben etwa 3,2 Millionen EU-Bürger in Großbritannien. Sie brauchen dafür bislang keine besondere Erlaubnis. Das könnte sich nach dem geplanten Austritt des Landes aus der EU im März 2019 ändern. Premierministerin Theresa May hat jedoch bereits zugesichert, dass EU-Bürger auch nach dem Brexit im Land bleiben dürften. Das Thema ist auch Gegenstand der Brexit-Gespräche, die in der kommenden Woche in Brüssel fortgesetzt werden sollen.