Insgesamt 21 der verbleibenden 27 Länder der Europäischen Union konkurrieren um die bislang britischen Standorte der europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA und der Arzneimittelaufsicht EMA. Wie die EU bekannt gab, bemühen sich mit Deutschland, Frankreich, Irland, Österreich und Polen mehrere Länder gleich um beide Agenturen. Lediglich Ungarn, Slowenien, Zypern sowie die drei baltischen Staaten Estland, Litauen und Lettland halten sich aus dem Vergabeverfahren ganz heraus. Für die EBA und die EMA muss ein neuer Sitz gefunden werden, weil die Behörden wegen des geplanten EU-Austritts Großbritanniens bis spätestens Frühjahr 2019 von London wegziehen müssen.

Die EU-Kommission will die Bewerbungen bis Ende September mittels eines Kriterienkatalogs prüfen. Dazu gehören unter anderem die Verkehrsanbindung des Standorts, die Verfügbarkeit von Schulen für die Kinder der Beamten, der Zugang zum Arbeitsmarkt für Familienmitglieder, die mit umziehen, sowie die geografische Verteilung.

Eine Vorentscheidung soll dann auf dem nächsten EU-Gipfel im Oktober getroffen werden. Endgültig entscheiden wollen die 27 Vertreter der EU-Staaten dann im November. In dem mehrstufigen Wahlverfahren geben die Mitgliedsländer Punkte für ihre präferierten Standorte ab. Sollte eine einfache Mehrheit von 14 Stimmen nicht erreicht werden, gibt es zwei weitere Runden. Die EU erlaubt allerdings nicht, dass ein Land den Zuschlag für beide Agenturen erhält.

Um die Arzneimittelaufsicht EMA bewerben sich 19 Standorte, um die Bankenaufsicht EBA acht. In Deutschland geht Frankfurt am Main für die EBA an den Start. Der Finanzmetropole werden gute Chancen eingeräumt, da dort bereits die Europäische Zentralbank und die Versicherungsaufsicht Eiopa Standorte haben. Auf Twitter schrieb das hessische Finanzministerium: "An Frankfurt führt kein Weg vorbei!" Aber auch Brüssel, Dublin, Luxemburg, Paris, Prag, Warschau und Wien wollen den insgesamt 160 Mitarbeitern eine neue Heimat bieten. Die Bankenaufsicht EBA gibt es seit 2011; sie soll die finanzielle Stabilität in der EU sicherstellen, analysiert Risiken und testet die Banken auf ihre wirtschaftliche Gesundheit.

Für die Arzneimittelagentur EMA bewirbt sich von deutscher Seite Bonn als Standort. Das Bundesgesundheitsministerium twitterte den Link zu einer eigens erstellten Webseite mit Gründen, warum die Stadt ein "exzellenter Standort" sei. Als Favorit gilt bislang allerdings Mailand. Weitere Bewerberstädte sind Amsterdam, Athen, Barcelona, Bratislava, Bukarest, Brüssel, Kopenhagen, Dublin, Helsinki, Lille, Porto, Sofia, Stockholm, Malta, Warschau, Wien und Zagreb. In der Behörde arbeiten 900 Mitarbeiter. Die EMA wurde 1995 gegründet und ist für die wissenschaftliche Überprüfung, Aufsicht und Überwachung von Medikamenten sowie deren Zulassung in der EU zuständig.