Der deutsche Botschafter in der Türkei, Martin Erdmann, hat Deniz Yücel und Peter Steudtner im Gefängnis besucht. Den westlich von Istanbul inhaftierten deutschen Staatsbürgern gehe es den Umständen entsprechend gut, teilte das Auswärtige Amt mit. Beide Gespräche seien intensiv gewesen und hätten jeweils über eine Stunde gedauert.

Es war das erste Mal, dass ein deutscher Botschaftsvertreter Steudtner besuchen konnte. Der Menschenrechtler war Anfang Juli verhaftet worden. Der Journalist Yücel, der sowohl die deutsche als auch die türkische Staatsbürgerschaft besitzt, ist bereits seit Februar in türkischer Haft. Sie und weitere in der Türkei inhaftierte Deutsche sollen nach Angaben türkischer Behörden Terrororganisationen unterstützt haben.

Im Fall der deutschen Übersetzerin und Journalistin Meşale Tolu Çorlu war die Entscheidung über eine Haftentlassung am Dienstag verschoben worden. Das zuständige Gericht in Istanbul hatte den Fall laut Tolus Anwältin aus Zeitmangel nicht prüfen können. Der Haftprüfungstermin findet routinemäßig jeden Monat statt. Tolu war im April verhaftet worden, ihr droht eine Gefängnisstrafe von bis zu 15 Jahren. Ihre Anwältin schätzt die Chance auf Haftentlassung als "gering" ein.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) kritisierte daraufhin die Inhaftierung Tolus als "unwürdige politische Geiselhaft". Die Staatsanwaltschaft habe keinen glaubhaften Beleg vorgelegt, "um die absurden Anschuldigungen gegen Meşale Tolu zu stützen". "Es gibt keinen vernünftigen Grund, die Journalistin weiterhin festzuhalten", sagte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr.

Die Beziehungen zwischen der Türkei und Deutschland sind angespannt. Die türkische Regierung beschuldigt die Bundesregierung, Unterstützern des gescheiterten Militärputsches Schutz zu gewähren. Genauso wie Deutschland seine Bürger "von uns zurückhaben möchte", erwarte die Türkei, die sich in Deutschland aufhaltenden Terroristen ausgehändigt zu bekommen, hatte der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdoğan gesagt

Peer Steinbrück - Wie sollte die EU mit Autokraten umgehen? Zu wenig, zu zahm, zu unkoordiniert: Für den Umgang mit Polen und der Türkei findet der Ex-Finanzminister und frühere SPD-Kanzlerkandidat im Video harsche Worte. © Foto: Isaak Münkwitz