Zwei wichtige wirtschaftliche Beratergremien von US-Präsident Donald Trump werden aufgelöst. Nach dem Streit über seine Äußerungen zum Extremistenaufmarsch in Charlottesville teilte der US-Präsident auf Twitter mit, er habe die Arbeit des Strategieforums und des Industrierates beendet. Anstatt weiter Druck auf die beteiligten Geschäftsleute auszuüben, habe er beschlossen, die informellen Gremien lieber aufzulösen, schrieb Trump.  

US-Medien berichteten jedoch schon zuvor unter Berufung auf Insider, die Auflösung sei von mindestens einem Gremium selbst ausgegangen. Laut New York Times hatten sich die Mitglieder der beiden Beratergremien, überwiegend Vorstandsvorsitzende großer amerikanischer Unternehmen, am Mittwochmorgen bei einer Telefonkonferenz auf den Schritt verständigt. US-Medien zitierten einen der betroffenen CEOs mit den Worten: "Angesichts der Kommentare der vergangenen Tage wollte niemand weiterhin als ein Unterstützer dieser Art von Entzweiung gelten."

Auslöser des Streit ist Trumps Umgang mit den rechtsextremen Ausschreitungen am Wochenende in Charlottesville. Trump hatte sich am Dienstagabend erneut zu den Krawallen geäußert und die Verantwortung für die Gewalt wieder rechten und linken Demonstranten gegeben. "Es gab auf der einen Seite eine Gruppe, die schlimm war, und es gab auf der anderen Seite eine Gruppe, die ebenfalls sehr gewalttätig war", sagte der Präsident. Damit machte der US-Präsident erneut keinen Unterschied zwischen Neonazis und Gegendemonstranten.

Bereits vor der offiziellen Auflösung der Beratergremien waren in den vergangenen Tagen mehrere Topmanager ausgetreten, darunter die Vorstandsvorsitzenden der Konzerne Merck, Intel und Under Armour. Noch gestern kommentierte der US-Präsident die Rückzüge mit den Worten, er habe für jeden zurückgetretenen CEO eine große Zahl an Ersatzkandidaten in der Hinterhand. 

Die Gremien hatten sich bisher nur selten getroffen. Sie hatten keine Entscheidungsmacht und waren von Trump eher gedacht, um medienwirksam seine Nähe zur Wirtschaft zu demonstrieren.

Nach Trumps Ankündigung am Mittwoch gab der Dollar nach, die Wall Street verzeichnete Rückgänge bei ihren Kursgewinnen.

Indes sieht sich der Präsident weiter sinkenden Zustimmungswerten in der Bevölkerung gegenüber: Laut dem Meinungsforschungsinstitut Marist Poll bewerten nur noch 35 Prozent der US-Amerikaner Trumps Politik als positiv. Demgegenüber stehen 55 Prozent, die seine Arbeit negativ einschätzen. Diese Werte sind laut den Meinungsforschern die schlechtesten seit Beginn von Trumps Präsidentschaft.