Vier große Rabbiner-Organisationen in den USA haben ihr diesjähriges traditionelles Telefonat mit dem US-Präsidenten abgesagt. Als Begründung führten sie die Äußerungen Donald Trumps zu den rechtsextremistischen Vorfällen in Charlottesville an. Wie die Rabbiner-Organisationen erklären, nützen die Äußerungen von Präsident Donald Trump denjenigen, die "Antisemitismus, Rassismus und Ausländerfeindlichkeit predigen."

Ihre Kritik richtet sich gegen Trumps Kommentare, wonach "viele Seiten" in Charlottesville Gewalt verübt hätten. In Wahrheit sei die tödliche Gewalt von "Nazis, Anhängern der White-Supremacists-Bewegung und der sogenannten Alt-Right-Bewegung ausgegangen", teilten die Rabbiner-Organisationen mit.

Trumps Kommentare hatten bei den unterschiedlichsten Gruppen Empörung ausgelöst: Unter anderem äußerten sich führende Republikaner und Ex-Kommunikationschef Anthony Scaramucci entsetzt, ein Beratungsgremium aus Top-Managern kündigte die Zusammenarbeit mit Trump auf und UN-Menschenrechtler legten Beschwerde gegen die USA ein.

Rabbiner: Trump muss sich von Rassisten distanzieren

"Der in Charlottesville beobachtete Antisemitismus war erschreckend", sagte die Leiterin der Reconstructionist Rabbinical Association, Elyse Wechterman, dem Sender CNN. Trump verweigere seit dem Präsidentschaftswahlkampf eine Distanzierung von "Antisemiten und Rassisten aller Art".

Zu den Unterzeichnern der Erklärung zählen die 1889 gegründete Central Conference of American Rabbis, die Rabbinical Assembly, die Reconstructionist Rabbinical Association und das Religius Action Center of Reform Judaism.

In den vergangenen Jahren gab es üblicherweise vor den jüdischen Festen Jom Kippur und Rosch Haschana eine Telefonkonferenz zwischen den Rabbiner-Organisationen und dem Präsidenten.

In Charlottesville war Mitte August eine Gegendemonstrantin getötet worden, als ein 20-jähriger Neonazi sein Auto offenbar absichtlich in eine Gruppe von Gegnern eines Aufmarschs von Rechtsextremen steuerte.