Barcelonas sonst so trubelige Altstadt bot ein gespenstisches Bild. Mit Maschinenpistolen bewehrte Polizisten und Mannschaftswagen blockierten bis zum Morgen die engen Gassen rechts und links der Rambla. Statt des nie abreißenden Stimmengewirrs gellten die Sirenen der Krankenwagen in der Nacht, Hubschrauber dröhnten über der Promenade. 

Gegen 17 Uhr war ein weißer Kleintransporter vom Verkehrsknotenpunkt Plaça de Catalunya auf die Rambla gefahren, fuhr im Zickzack 700 Meter durch die Menge, und stoppte dann nahe der Markthalle Boqueria vor dem Bodenmosaik von Joan Miró. Der oder die Täter flohen durch die panische Menschenmenge. 13 Menschen starben, mehr als 100 sind verletzt, einige von ihnen schwer. Kurz darauf reklamierte der sogenannte "Islamische Staat" (IS) das Attentat für sich.


"Das war ein fürchterliches Massaker", erzählt Margret, Anfang 50, mit erstickter Stimme. Die in Barcelona lebende Engländerin war unmittelbar nach dem Angriff wegen des Aufruhrs aus ihrer Wohnung in der Carrer Sant Pau auf die Straße geeilt, die neben der Rambla liegt. "So viele junge Menschen lagen blutüberströmt auf der Straße, sogar ein kleines Kind", erzählt sie. Man habe sie durchgelassen, um den Opfern zu helfen, Margret ist Krankenschwester. Ein Mann sei in ihren Armen gestorben. Dann verstummt sie, Tränen fließen.

Eine Nacht im Ausnahmezustand

Für Barcelona wird es eine Nacht im Ausnahmezustand. Das Attentat ist das schwerste in Spanien seit den Bombenanschlägen in den Madrider Vorortzügen 2004.

Im mondänen Passeig de Gràcia, in den engen Straßen des Szeneviertels Raval, überall stehen Menschen in kleinen Gruppen zusammen, kommentieren, was sie in den sozialen Netzwerken lesen, versuchen Informationen von den herumrennenden Polizisten zu bekommen. Neuigkeiten werden nur spärlich weitergegeben, man will keine Panik verbreiten. "Gucken Sie Fernsehen, dann wissen Sie, was los ist!", sagt ein Beamter zwei Anwohnerinnen. 

Medien berichten von einer Geiselnahme in einem Restaurant. Ein Gerücht, wie die Polizei später klarstellt. Passanten, die in Boutiquen und Restaurants Zuflucht gesucht hatten, machen Videos mit ihren Smartphones. Einige berichten aus dem Döner-Restaurant Luna de Istanbul, in dem sich einer der mutmaßlichen Attentäter verschanzt hatte. Er wird später festgenommen, ein weiterer Mann ebenfalls. Vom Fahrer des Kleintransporters fehlt bislang jede Spur.

"Das ist doch unglaublich", schimpft fassungslos Joan, ein 67-jähriger Anwohner. "Es gibt keinen Ort in Barcelona, an dem mehr Polizei unterwegs ist als auf der Rambla – und dann gehen ihnen die Täter so durch die Lappen." 

Vor einem Hostel in einer Seitengasse liegen sich Jugendliche einer amerikanischen Reisegruppe weinend in den Armen. Sie leihen sich gegenseitig das Handy, um Angehörige und Freunde anzurufen, die noch in der Stadt unterwegs sind. Andere trotzen dem Terror – und spielen Billard, während im Fernsehen die Bilder von blutüberströmten Menschen zu sehen sind. "Natürlich ist das schrecklich, aber niemandem ist geholfen, wenn wir jetzt alle Angst haben und weinen", sagt einer von ihnen.

Der Terror trifft die Stadt besonders, weil Spanien stets als sicheres Reiseland galt. Barcelona hat von Krisen wie der in der Türkei profitiert – dieses Jahr sind bereits mehr als acht Millionen Besucher in die Stadt gekommen, so viel wie noch nie.