Der Vorstoß von FDP-Chef Christian Lindner, die Krim-Krise in den Beziehungen zu Russland vorerst auszuklammern, wird in der Ukraine kritisiert. "Wir sind sehr beunruhigt, dass manche Politiker wie jetzt FDP-Chef Christian Lindner immer wieder versuchen, die offensichtlichen Verletzungen des Völkerrecht zu ignorieren oder sogar zu rechtfertigen", sagte Pawlo Klimkin der Bild-Zeitung. "Dadurch ermutigen sie den Aggressor zu weiteren Verbrechen und verwandeln sich in Mitbeteiligte an Putins Verbrechen."

Klimkin forderte, es müsse weiterhin mit allen politischen und diplomatischen Mitteln für die "Befreiung der Krim" gekämpft werden. Lindners Idee, Sanktionen gegen Russland auch bei "positiven Zwischenschritten" zu lockern, wies Klimkin ebenfalls scharf zurück. "Wir sind fest überzeugt, dass Sanktionen nicht nur erhalten, sondern auch verschärft werden müssen." Sie seien das einzige friedliche Mittel, um Russland in die Schranken zu weisen und Frieden auf der Krim und im Donbass wiederherzustellen. Die Aufrufe, die Sanktionen zu lockern, seien "kontraproduktiv".

Lindner hatte am Wochenende eine Verbesserung der Beziehungen zu Russland angemahnt. Es müsse Angebote geben, damit der russische Präsident Wladimir Putin ohne Gesichtsverlust seine Politik verändern könne. "Um ein Tabu auszusprechen: Ich befürchte, dass man die Krim zunächst als dauerhaftes Provisorium ansehen muss", sagte Lindner.

Die deutsch-russischen Beziehungen sind seit Beginn der Ukraine-Krise vor drei Jahren schwer belastet. Die EU erkennt die Einverleibung der Schwarzmeerhalbinsel durch Russland nicht an und hat Moskau deshalb mit Sanktionen belegt. Russland hatte die ukrainische Halbinsel 2014 annektiert.