Bei Angriffen militanter Muslime auf Polizei- und Grenzposten im Westen Myanmars sind nach amtlichen Angaben mindestens 32 Menschen getötet worden. Nach Angaben von Myanmars Armeechef Min Aung Hlaing wurden ein Soldat, zehn Polizisten und 21 Aufständische getötet. Er machte Aufständische der muslimischen Minderheit der Rohingya für die Attacken im Bundesstaat Rakhine verantwortlich. Die muslimische Untergrundgruppe Arakan Rohingya Salvation Army (Arsa) bekannte sich zu den Angriffen und kündigte weitere an.

Nach Angaben der Polizei begannen die Kämpfe kurz nach Mitternacht. Etwa 150 militante Muslime hätten demnach mindestens 26 Posten angegriffen. Sie sollen mit Gewehren und Macheten bewaffnet gewesen sein. Die Regierung sprach von koordinierten Angriffen, bei denen auch selbstgebaute Sprengkörper zum Einsatz gekommen seien. Außerdem sollen Brücken gesprengt worden sein. Laut Armeechef Hlaing sind die Gefechte an zwei Polizeiposten an der Grenze zu Bangladesch noch nicht beendet.

Der Konflikt zwischen der muslimischen Minderheit der Rohingya und der Regierung des buddhistisch geprägten Staates dauert seit etwa 70 Jahren an und war im vergangenen Oktober erneut eskaliert. Damals wurden bei ähnlichen Angriffen neun Polizisten getötet. Die Armee hatte daraufhin eine Großrazzia in den von Rohingya bewohnten Gebieten des Staates durchgeführt.

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Nach UN-Angaben hatten Soldaten damals Angehörige der muslimischen Minderheit gefoltert und vergewaltigt, mehr als 1.000 Häuser wurden niedergebrannt. Mindestens 1.000 Menschen seien seit Oktober getötet worden, etwa 90.000 geflohen, viele von ihnen in das Nachbarland Bangladesch. Seit der ersten Offensive im Oktober 2016 habe es auch Anzeichen dafür gegeben, dass sich mehr und mehr Menschen dem bewaffneten Aufstand anschließen werden.

Die schätzungsweise 800.000 Rohingya gelten laut der UN als eine besonders stark verfolgte Volksgruppe. Aus Sicht der Regierung in Myanmar sind sie illegale Einwanderer aus Bangladesch und gelten somit als staatenlos, obwohl viele von ihnen seit Generationen in Myanmar leben.

Eine Kommission unter der Leitung des ehemaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan hatte den Konflikt ein Jahr untersucht und der Regierung Myanmars empfohlen, eine langfristige Lösung anzustreben. Es sei notwendig, die Region schnell wirtschaftlich zu entwickeln und soziale Gerechtigkeit zu schaffen, um die Gewalt zwischen der buddhistischen Mehrheit und der muslimischen Minderheit in Rakhine zu überwinden.