Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un hat angekündigt, die US-Pazifikinsel Guam vorerst nicht anzugreifen. Er werde die Handlungen der USA noch etwas länger beobachten, bevor er eine Entscheidung über einen Raketenstart treffe, sagte er laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA. Die USA sollten zuerst "durch ihre Handlungen zeigen, ob sie die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel verringern und einen gefährlichen militärischen Zusammenstoß verhindern wollen". Kim habe das Militär angewiesen, jederzeit einsatzbereit zu sein, wenn er eine Entscheidung treffe, berichtete KCNA.

Politische Beobachter werteten die Erklärung als Versuch, die Spannungen mit den USA zu reduzieren. Der Nordkorea-Experte John Delury, der an der südkoreanischen Yonsei-Universität lehrt, bezeichnete die Ankündigung als "extrem wichtig". Auf Twitter schrieb er: "Kim Jong Un deeskaliert, indem er den Guam-Plan auf Eis legt." Adam Mount, der den Nordkorea-Konflikt für das Center for American Progress in Washington beobachtet, kommentierte, das Regime in Pjöngjang stelle die USA mit der Stellungnahme vor eine klare Entscheidung zwischen Verhandlungen über militärische Zurückhaltung und der Gefahr von Raketeneinsätzen. Er sieht darin eine wichtige Gelegenheit für Gespräche, die die Regierung von US-Präsident Donald Trump nicht ignorieren sollte.

Kim sagte laut der KCNA-Mitteilung, die USA spürten bereits "den Strick um den Hals" durch ihren eigenen "rücksichtslosen militärischen Lärm". Die Amerikaner sollten angesichts der angespannten Lage auf der koreanischen Halbinsel "mögliche Gewinne oder Verluste mit klarem Kopf abwägen".

Die nordkoreanische Regierung hatte vergangene Woche Vorbereitungen für einen Angriff auf Guam angekündigt, wo die USA einen Militärstützpunkt haben. US-Verteidigungsminister James Mattis warnte Nordkorea davor, einen Krieg gegen sein Land zu riskieren. "Wenn sie die Vereinigten Staaten unter Beschuss nehmen, könnte sich dies sehr schnell zu einem Krieg zuspitzen", sagte er vor Journalisten.

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) verurteilte die Drohungen von US-Präsident Trump gegen Nordkorea. Trump bediene sich in dem Konflikt einer "unfassbar kriegerischen Rhetorik". Es bestehe die Gefahr, "dass solche Eskalationen mit der Sprache beginnen und mit einem Militäreinsatz enden", sagte der Vizekanzler dem Kölner Stadt-Anzeiger.

© ZEIT-Grafik

Die EU-Staaten wollen ihre diplomatischen Bemühungen für eine friedliche Beilegung der Nordkorea-Krise verstärken. Wie die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini nach einem Sondertreffen der für Sicherheitsfragen zuständigen EU-Botschafter mitteilte, soll dazu verstärkt die Diskussion mit den früheren Teilnehmern der 2009 abgebrochenen Sechs-Parteien-Gespräche gesucht werden. Diese waren 2003 ins Leben gerufen worden, um den Konflikt um das umstrittene nordkoreanische Atomprogramm zu entschärfen. Zu den Teilnehmern gehören neben Nordkorea die USA, China, Russland, Japan und Südkorea.