In Angola haben die Parlamentswahlen begonnen, bei denen auch ein neuer Präsident gewählt wird. Ein Sieg der regierenden Partei MPLA gilt als sicher. Die Opposition geht davon aus, dass die Wahlen nicht frei verlaufen werden. Sie hätten nicht denselben Zugang zu Medien wie die MPLA, Behörden würden regelmäßig ihre Veranstaltungen verhindern. Der Regionaldirektor von Amnesty International, Deprose Muchena, forderte die Regierung auf, den "systematischen Missbrauchs staatlicher Einrichtungen gegen Oppositionelle" zu stoppen.

Angola wird seit 38 Jahren von dem Präsidenten José Eduardo dos Santos regiert, der erstmals nicht mehr antritt. Sein Nachfolger und Favorit bei der Wahl ist der Verteidigungsminister João Lourenço. In Angolas Verfassung ist keine Präsidentenwahl vorgesehen, das Amt besetzt also der Spitzenkandidat der Partei, die als stärkste Kraft aus den Parlamentswahlen hervorgeht.

Ein Sieg der regierenden MPLA gilt als sicher, dennoch sind viele der 28 Millionen Einwohner unzufrieden mit der Regierung. Durch die sinkenden Ölpreise ist in den vergangenen Jahren die Arbeitslosigkeit gestiegen, es kam zu einer hohen Inflation, die Währung ist verfallen. Im vergangenen Jahr wuchs die Wirtschaft nur noch um 0,6 Prozent. Davon könnten die Oppositionsparteien Unita und Casa-CE profitieren. Rund neun Millionen Wahlberechtigte stimmen über die neue Zusammensetzung des Parlaments ab. Ein offizielles Wahlergebnis wird nicht vor Ende der Woche erwartet.

Angola ist einer der größten Erdölproduzenten Afrikas und hat viele Jahre von den hohen Einnahmen profitiert. Dennoch gilt Angola als eins der ärmsten Länder der Welt. Das Geld kam nur zu einem geringen Teil in der Bevölkerung an, der Wohlstand ist sehr ungleich verteilt. Die Opposition kritisiert Vetternwirtschaft und Korruption.

Laut Amnesty International leben die Einwohner seit Jahrzehnten in Angst. Den Präsidenten zu kritisieren gilt als ein Verbrechen. Viele Demonstranten und Menschenrechtler, die das trotzdem taten, wurden laut Amnesty für lange Zeit eingesperrt oder verschwanden spurlos.

Der Journalist Rafael Marques de Morais sagte der Nachrichtenagentur AFP, der scheidende Präsident habe den Staat zugunsten seiner Familie und Freunde privatisiert. Seine Tochter, Isabel dos Santos, leitet das staatliche Ölunternehmen Sonangol. Das US-Magazin Forbes listete sie mit einem geschätzten Vermögen von drei Milliarden US-Dollar als reichste Frau Afrikas. Eduardo dos Santos will bis 2022 an der Spitze der MPLA bleiben. Durch bereits beschlossene Gesetze hat er sich weitgehend vor juristischer Verfolgung geschützt.

Dass sich in Angola nach der Wahl mit dem Favoriten João Lourenço etwas verändert, gilt als unwahrscheinlich. "Kritischen Stimmen zufolge sind von ihm keine weitreichenden Reformen zu erwarten", heißt es vom Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft. Die MPLA regiert in Angola seit der Unabhängigkeit von Portugal 1975. Zwischen 1975 und 2002 wurde in Angola ein Bürgerkrieg geführt, den die Unita-Partei verlor.