Nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl in Kenia hat Oppositionskandidat Raila Odinga der Wahlkommission vorgeworfen, seiner Partei keinen Zugang zu ihren Servern zu gewähren – obwohl es dafür eine Anordnung des Obersten Gerichtshofs gibt.

Einem Sprecher Odingas zufolge habe die Wahlkommission den IT-Experten der Opposition die Einsicht in die Serverdaten verwehrt. Auch die Technik zur Übertragung der Ergebnisse von den einzelnen Wahllokalen in die Auszählungszentren hätten sie nicht kontrollieren dürfen, fuhr der Sprecher fort. Stattdessen hätten sie Ausdrucke erhalten.

Der Anwalt der Wahlkommission, Paul Muite, sagte dem Obersten Gericht, die Computerserver befänden sich in Europa, wo die Mitarbeiter geschlafen hätten, als Zugang beantragt wurde. "Es ist nur eine Frage der Logistik", sagte er. Ein Anwalt von Odinga, James Orengo, entgegnete, Muite habe nicht die Wahrheit gesagt, denn als das Gericht am Montagmorgen den Zugang zu den Servern anordnete, sei in Europa Tag gewesen.

Odinga vermutet Manipulationen durch Hacker

Uhuru Kenyatta und Raila Odinga hatten sich einen harten Wahlkampf geliefert. Der 72-jährige Odinga, von 2008 bis 2013 Regierungschef, trat zum vierten und vermutlich letzten Mal als Kandidat für das Amt an. Der seit 2013 amtierende Präsident Uhuru Kenyatta, Sohn des ersten Präsidenten Kenias, hatte die Wahl Anfang August mit etwa 54 Prozent der Stimmen gewonnen. Odinga hatte ihm daraufhin Wahlmanipulation vorgeworfen. Ihm zufolge verschafften sich Hacker Zugang zu den Servern der Wahlkommission und manipulierten die Daten zugunsten Kenyattas. 

Die zentrale kenianische Wahlbeobachtungsorganisation Elog hatte die Vorwürfe der Wahlmanipulation zuvor zurückgewiesen. Sie habe keine Belege für vorsätzliche Manipulationen gefunden. Auch internationale Beobachter waren zu der Einschätzung gelangt, dass die Wahl ohne Unregelmäßigkeiten abgelaufen sei. 

Enttäuschte Oppositionsanhänger hatten gegen den Ausgang der Wahl protestiert; dabei erschoss die Polizei mehrere Menschen.