US-Präsident Donald Trump hat den Abbau von zahlreichen Statuen und Monumenten aus der Zeit der Konföderierten in den USA kritisiert. Mit ihnen würde "Schönheit" aus amerikanischen Orten verschwinden, twitterte Trump. Ein solches Vorgehen zerreiße die Geschichte und die Kultur des Landes. Man könne die Geschichte nicht ändern, wohl aber von ihr lernen. "Robert E. Lee, Stonewall Jackson – wer kommt als Nächstes, Washington, Jefferson?"

Zuvor waren in zahlreichen US-Bundesstaaten Denkmäler, etwa von General Robert E. Lee, entfernt worden. Lee hatte während des Amerikanischen Bürgerkriegs die Nord-Virginia-Armee befehligt und war der erfolgreichste General der Streitmacht der Konföderation. Laut USA Today gibt es mehr als 1.000 umstrittene Konföderiertendenkmäler in 31 Staaten. Auch in Charlottesville sollte eine solche Statue entfernt werden. Aus diesem Grund hatten Rechtsextreme eine Kundgebung veranstaltet. Diese war gewaltsam eskaliert. Ein mutmaßlich rechtsradikaler Autofahrer raste in eine Gruppe von Gegendemonstranten und tötete dabei eine Frau. Zahlreiche weitere Personen wurden verletzt.

Kurz nach dem Unglück hatte Trump von "Gewalt von vielen Seiten" gesprochen und war dafür parteiübergreifend kritisiert worden. Zwei Tage später verurteilte der Präsident explizit die rechtsextreme Gewalt, bekräftigte wenig später aber wieder seine erste Reaktion. "Es gab auf der einen Seite eine Gruppe, die schlimm war, und es gab auf der anderen Seite eine Gruppe, die ebenfalls sehr gewalttätig war", sagte Trump am Mittwoch. Auf beiden Seiten habe es in Charlottesville "sehr anständige Leute" gegeben.

Kritik von Tim Cook

Neben Politikern greifen auch Topmanager Trump für seine Äußerungen an. Apple-Manager Tim Cook schrieb an seine Belegschaft: "Ich widerspreche dem Präsidenten und anderen, die glauben, dass die weißen Rassisten und Nazis mit denjenigen, die sich ihnen widersetzen, indem sie für Menschenrechte einstehen, moralisch gleichgesetzt werden können." Wer beide auf eine Stufe stelle, verrate die Ideale der Amerikaner, zitierte die Technologieplattform Recode aus dem Brief.

Selbst Trumps engste Mitarbeiter äußerten entweder eine abweichende Meinung oder schwiegen zu Trumps Reaktion. Die New York Times verwies darauf, dass Finanzminister Steven Mnuchin, der Nationale Wirtschaftsberater Gary Cohn und auch Trumps Berater und Schwiegersohn Jared Kushner nicht öffentlich zu den Aussagen ihres Chefs Stellung bezogen hätten. Trumps rechtskonservativer Chefstratege Steve Bannon sagte im Politikmagazin The American Prospect, die Anhänger einer weißen Vorherrschaft seien "Verlierer" und eine "Ansammlung von Clowns".

Auch international gibt es Kritik. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz forderte mehr Härte gegenüber Trump. Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) nannte die Reaktion des Präsidenten einen "Riesenfehler". Er warf Trump vor, die rechte Gewalt unzulässigerweise relativiert zu haben. "Natürlich ist eine Gleichsetzung beider Seiten statt einer klaren Distanzierung vom nazistischen Potenzial, das sich da gezeigt hat, ein Riesenfehler", sagte Gabriel. "Und sie ist auch falsch. Und das zeigt eben, wie verwoben ein Teil der Unterstützer Trumps mit der rechtsradikalen Szene der Vereinigten Staaten ist. Sein Chefideologe Steve Bannon steht ihnen nahe."