Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) will mit denjenigen in der Türkei zusammenarbeiten, die nicht auf der Seite des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan stehen. "Mehr als die Hälfte des Landes ist demokratisch gesinnt, die haben ihn nicht unterstützt", sagte er bei einer Schiffstour mit dem saarländischen Spitzenkandidaten Heiko Maas in Perl. 

Viele Menschen in der Türkei würden darauf setzen, dass Europa und Deutschland die Demokratie in der Türkei unterstützen und "nicht tatenlos zuschauen", sagte Gabriel. Die deutsch-türkischen Beziehungen bezeichnete er als großen Schatz. Es sei "ganz bitter, wie Erdoğan diese große historische Freundschaft zwischen Deutschland und der Türkei" gefährde, um türkischen Nationalismus zu schüren.

Wegen des Streits der Bundesregierung mit der Türkei habe Gabriels Familie auch persönliche Drohungen erhalten. Einige Menschen hätten versucht, seine Frau zu bedrängen und zu belästigen, sagte der SPD-Politiker. Auf den Anrufbeantworter in der Zahnarztpraxis seiner Frau seien in der Nacht zum Montag Drohungen gesprochen worden, sagte Gabriel der in Ludwigshafen erscheinenden Rheinpfalz.

Vor einem Monat hatte die Bundesregierung ihren moderaten Kurs gegenüber Erdoğan aufgegeben. Gabriel ließ die Reisehinweise verschärfen und warnte deutsche Unternehmen vor Investitionen in der Türkei. "Ich glaube, dass wir auf eine längere Strecke diese neue Politik fortführen müssen und nicht glauben dürfen, in ein paar Wochen ist das erledigt", hatte Gabriel gesagt.

Gabriel hat außerdem kritisiert, dass Erdoğan sich in den deutschen Wahlkampf eingemischt hatte. Der türkische Präsident hatte dazu aufgerufen, keine seiner Meinung nach antitürkischen Parteien wie CDU, SPD und Grüne zu wählen. Auf Gabriels Kritik an seiner Äußerung reagierte Erdoğan wiederum verärgert, er forderte Gabriel auf, seine Grenzen zu erkennen. "Wer sind Sie denn, um den türkischen Präsidenten anzusprechen?"