Das Oberste Gericht in Thailand hat Haftbefehl gegen die ehemalige Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra erlassen. Wie das Gericht mitteilte, bestehe bei ihr Fluchtgefahr, da sie nicht zur Urteilsverkündung erschienen war. Ihre Anwälte begründeten Yinglucks Abwesenheit mit Kopfweh und Ohrenschmerzen, ohne jedoch ein Attest vorzulegen. Daraufhin wurde Haftbefehl gegen Yingluck erlassen.

Nach Zeitungsberichten hat sich die Politikerin ins Ausland abgesetzt, möglicherweise nach Singapur. Mittlerweile bestätigte ein Vertreter ihrer Partei, dass sie geflohen sei. Ihr Anwalt Norawit Lalaeng sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Ich weiß nicht, wo sich Yingluck befindet. Ich kann nicht bestätigen, dass sie noch im Land ist." Yingluck hatte zuvor mehrfach versprochen, keinesfalls ins Ausland zu fliehen. Am Mittwoch hielt sie sich noch in Bangkok auf. 

In dem Verfahren gegen Yingluck geht es um ein System zur Subventionierung des Reisanbaus. Dabei kaufte der Staat armen Landwirten Reis zum doppelten Marktpreis ab. Insgesamt soll die Regierung unter Yingluck rund zehn Millionen Tonnen gekauft haben. Hinter dem Subventionsprogramm stand die Hoffnung der Regierung, durch die Hortung von Reis den Weltmarktpreis in die Höhe zu treiben.

Stattdessen profitierten aber Konkurrenten wie zum Beispiel Vietnam davon und verdrängten Thailand als weltweit größten Reis-Exporteur. Thailand verlor mehrere Milliarden Dollar, etwa acht Millionen Tonnen des von der Regierung aufgekauften Getreides blieben in den Lagerhäusern liegen. Die Militärführung und die Staatsanwaltschaft wollen, dass die ehemalige Politikerin für das defizitäre System persönlich haftbar gemacht wird.

Die ehemalige Regierungschefin wies alle Vorwürfe jedoch als "politische Machenschaften" zurück. Das Reisprogramm gehörte zu ihren zentralen Wahlversprechen. Bei einem Schuldspruch werden Ausschreitungen befürchtet. Denn die ehemalige Regierungschefin hat in dem südostasiatischen Königreich immer noch eine große Anhängerschaft, vor allem in den ärmeren Schichten der Bevölkerung. Bereits vor Beginn des geplanten letzten Prozesstages hatten sich Tausende Unterstützer Yinglucks vor dem Gericht versammelt. Das Gebäude wurde von mehreren Hundertschaften der Polizei abgeriegelt.   

Bis 2019 kein politisches Amt

Der Ministerpräsident der amtierenden Militärregierung, General Prayuth Chan-o-cha, ordnete eine Verschärfung der Grenzkontrollen an. Die Verkündung des Urteils wurde auf den 27. September verschoben. Falls Yingluck auch dann nicht erscheint, soll der Richterspruch in Abwesenheit vekündet werden.

Yingluck Shinawatra ist die Schwester des früheren Regierungschefs Thaksin Shinawatra, der seit seiner Verurteilung wegen Amtsmissbrauchs in Großbritannien im Exil lebt. 2011 wurde Yingluck als erste Frau zur Ministerpräsidentin gewählt. Im Mai 2014 setzte das Verfassungsgericht sie ab. Kurz darauf putschte sich das Militär an die Macht und regiert bis heute. Wegen der Vorwürfe, die in ihre Amtszeit zurückreichen, musste sich Yingluck seit eineinhalb Jahren vor einem Sondergericht für politische Straftaten verantworten. Der früheren Regierungschefin wurde bis 2019 verboten, ein politisches Amt zu bekleiden.