Zur bisher kürzesten Amtszeit eines Kommunikationsdirektors im Weißen Haus liefert Twitter die passenden Kommentare: "In nur zehn Tagen hat Anthony Scaramucci einen Job bekommen, ein Baby gehabt, seine Ehe beendet und einen Job verloren", fasste die Politikkorrespondentin des New York Magazines, Olivia Nuzzi, die ereignisreichen Tage des New Yorker Milliardärs zusammen. "Nur zur Information: Wenn Ihr an dem Tag, an dem Scaramucci sein Amt angetreten hat, eine Tüte Milch gekauft habt, dann ist sie noch gut", rechnete ein anderer Nutzer vor. 

Erst vor wenigen Tagen hatte Anthony Scaramucci im Gespräch mit einem Reporter des Magazins New Yorker eine neue Gangart für die kommenden Monate angekündigt. Erst unterstellte er dem – inzwischen ebenfalls gefeuerten – Stabschef Reince Priebus, für die Leaks im Weißen Haus verantwortlich zu sein, dann zog er über die künftigen Kollegen her und äußerte Beleidigungen in alle Richtungen. Als neuer Kommunikationsdirektor werde er sich vom "Sumpf" nicht besiegen lassen, versprach der Ex-Finanzier. Stattdessen werde er alle Mitarbeiter rausschmeißen und "nochmal ganz von vorne anfangen".

Trotz der verbalen Ausrutscher glaubten viele politische Beobachter, mit dem "Mooch" habe der Präsident einen Kommunikationsdirektor an seine Seite geholt, der nicht nur seine Sprache spricht, sondern dank seiner unbedingten Loyalität ("Ich liebe den Präsidenten") auch auf absehbare Zeit fest im Sattel sitze. Am Montag war für Scaramucci dann aber schon wieder Schluss: Nach nur zehn Tagen im Amt – das er offiziell noch gar nicht angetreten hatte – muss der Kommunikationsdirektor seinen Posten räumen, bevor er Zeit hatte, seine Drohungen gegen die Kollegen umzusetzen. "Mr. Scaramucci war der Ansicht, es sei das Beste, dem neuen Stabschef die Möglichkeit zu geben, sein Team selbst aufzubauen", begründete Pressesprecherin Sarah Huckabee Sanders die Entscheidung knapp.

Republikaner verlieren die Geduld

Die anhaltende Negativpresse zu Scaramuccis öffentlichen Äußerungen mag eine Rolle gespielt haben. Vor allem aber ist die Entscheidung selbst die Folge einer weiteren Personalie, die erst am späten Freitagnachmittag für Aufregung gesorgt hatte. Mit John Kelly hatte sich der Präsident gerade einen Viersternegeneral als Stabschef an seine Seite geholt, der das Team im Oval Office auf Vordermann und Ordnung ins Chaos bringen sollte. So die Erzählung des Weißen Hauses. Der fing damit am Montag wenige Stunden nach Amtsantritt an – und stellte die alte Hackordnung wieder her, die Scaramucci hatte aufheben wollen. Stephen Bannon, Trumps apokalyptischer Chefstratege, dürfte sich über die jüngsten Änderungen freuen. Denn der hatte sich wie Priebus energisch gegen die Ernennung des Milliardärs aus Manhattan gewehrt und dafür im Gegenzug besonders fiese Beleidigungen abbekommen.

Der Rest Washingtons dürfte angesichts der inzwischen fast wöchentlichen Veränderungen im Trump-Team aber vor allem die Augen verdrehen. Mit dem andauernden Personalkarussell – vor Priebus und Scaramucci hatte der bisherige Pressesprecher Sean Spicer seinen Posten geräumt – tut sich der Präsident keinen Gefallen. In der Hauptstadt redet inzwischen kaum noch jemand über die Agenda der Partei oder des Weißen Hauses. Die groß angekündigte Themenwoche American Dream Week ist – wie schon ihre Vorgänger Made in America, Infrastructure Week und Technology Week – nach wenigen Stunden vergessen, weil neue Enthüllungen zu Kontakten mit dem Kreml dazwischengrätschen oder Streitigkeiten im inner circle eskalieren. "Selbst die Angestellten des Weißen Hauses halten die Themenwochen für einen Witz", schrieb Vanity Fair angesichts der Bilanz über die vergeblichen Versuche, endlich wieder die Inhalte in den Fokus zu rücken.

Auch in der eigenen Partei verlieren viele die Geduld mit dem Präsidenten. Donald Trump ist für sie vom Außenseiter, der den Konservativen die politikmüden Arbeiter im Mittleren Westen zurückgewonnen hat, zunehmend zum unkalkulierbaren Risiko geworden. Mit seinen Ausfällen auf Twitter, seinen Attacken gegen politische Gegner und den Verwicklungen des Familienclans belastet der Präsident die Partei und gefährdet die Mehrheit im Kongress. Wie wenig selbst die Republikaner Trump inzwischen vertrauen, zeigten die gerade beschlossenen Sanktionen gegen Russland. In einem ungewöhnlichen Schritt stellten die Abgeordneten per politischem Kniff sicher, dass der Präsident die Sanktionen nicht im Alleingang rückgängig machen kann.