Im Gefängnis der Stadt Starke, Florida, ist ein Todeskandidat mit Giftspritzen hingerichtet worden, deren chemische Zusammensetzung bisher noch nie in den USA eingesetzt wurde. Dem 53-jährigen Mark Asay wurde zunächst das umstrittene Arzneimittel Etomidat gespritzt, anschließend wurden ihm zwei weitere Spritzen verabreicht. Kritiker sehen die Wirksamkeit des starken Beruhigungsmittels bei Exekutionen als nicht erwiesen an.

Anwältin sieht Todeskandidaten als "Versuchskaninchen"

Zuvor war der Todeskandidat vergeblich vor Gericht gegen die Nutzung des Mittels vorgegangen. Seine Anwältin hatte den Behörden vorgeworfen, Asay als "Versuchskaninchen" zu missbrauchen.

In den USA werden die tödlichen Substanzen für die Giftspritzen knapp, weil viele europäische Pharmafirmen aus ethischen Gründen nicht mehr bereit sind, den US-Behörden Nachschub zu liefern. Das derzeit für die Giftmischungen genutzte Betäubungsmittel Midazolam steht in der Kritik, weil es offenbar nicht stark genug ist, um Schmerzen der Todeskandidaten zu vermeiden.

Hinrichtungen - Die Todesstrafe In mehr als 23 Ländern wurde im Jahr 2016 die schlimmste aller Strafen vollstreckt. Wo und wie Staaten Verurteilte hinrichten, fasst das Video zusammen. © Foto: Patrick Hertzog / AFP / Getty Images

Im April 2014 hatte der qualvolle Tod eines verurteilten Mörders bei einer Hinrichtung im Bundesstaat Oklahoma weltweit für Entsetzen gesorgt: Der Todeskampf von Clayton Lockett hatte nach einer Giftinjektion mit Midazolam 43 Minuten gedauert. Dabei wand er sich vor Schmerzen.

Pharmakonzern kritisiert Missbrauch seines Medikaments

Florida griff deshalb nun auf Etomidat als Ersatz zurück. Das Pharmaunternehmen Janssen kritisierte die Verwendung seines Medikaments. Ziel der Firma sei es "Leben zu retten und zu verbessern", sagte ein Sprecher der Washington Post. Das Unternehmen heiße die Verwendung seines Mittel für die Todesspritze nicht gut.

Der Chirurg und Todesstrafen-Gegner Jonathan Groner warnte, die intravenöse Verabreichung von Etomidat sei heikel. Bei beschädigten Venen könne die Verwendung des Mittels äußerst schmerzhaft sein. Gerade Todeskandidaten hätten jedoch häufig beschädigte Venen – wegen ihres Alters oder weil sie in der Vergangenheit Drogen konsumiert hätten.

Asay war 1988 wegen der Ermordung zweier Männer afroamerikanischer und hispanischer Herkunft zum Tode verurteilt worden.  Dabei hatte er sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft rassistisch geäußert. Seit der Wiedereinführung der Todesstrafe in Florida im Jahr 1976 ist Asay der erste Weiße, der wegen Mordes an einem Afroamerikaner hingerichtet wurde.