Eigentlich sollte Ägypten eine Finanzhilfe in Höhe von 200 Millionen Dollar (170 Millionen Euro) erhalten. Doch die US-Regierung hat die Zahlung verzögert und weitere 100 Millionen Dollar (etwa 85 Millionen Euro) gekürzt. Die Maßnahme wird vom US-Außenministerium mit der Menschenrechtslage in dem Land begründet. Die Freigabe der vom Kongress bewilligten Militärhilfe habe Außenminister Rex Tillerson zwar noch unterschrieben, die Auszahlung selbst stoppte er aber.

Nach US-Recht muss Tillerson bestätigen, dass die Menschenrechte in Ägypten eingehalten werden, oder entscheiden, dass es im nationalen Interesse der USA ist, die Militärhilfe freizugeben. Der US-Außenminister stand unter Zeitdruck: Das vom Kongress für das Haushaltsjahr 2016 bewilligte Geld wäre am 1. September an das Finanzministerium gegangen. Mit der Freigabe bei vorläufigem Auszahlungsstopp verschaffte er sich nun zusätzliche Zeit.

Es ist nicht das erste Mal, dass Tillerson Zahlungen verhindert. Er hielt bereits seit 2014 bewilligte und seitdem ausgesetzte Militär- und Wirtschaftshilfe für Ägypten über 95,7 Millionen Dollar zurück. Das Geld kommt dem Ministerium zufolge nun anderen Ländern zugute. Zudem wurde die Auszahlung von rund 195 Millionen Dollar zurückgehalten, bis sich die Menschenrechtslage in Ägypten verbessere. Sollte sich die Situation nicht ändern, müsse das Geld an das US-Finanzministerium zurückgezahlt werden.

US-Regierungsvertreter betonten, Ägypten bleibe weiterhin ein wichtiger Verbündeter, es gäbe aber ernsthafte Bedenken bezüglich des Fortschritts bei der Besserung der Menschenrechte in dem Land. Ägypten ist nach Israel der zweitgrößte Empfänger von US-Militärhilfe. Nach Angaben des Ministeriums erhielt Ägypten in den vergangenen 30 Jahren rund 80 Milliarden Dollar an Finanzhilfen.