Der von den USA mit Sanktionen belegte venezolanische Präsident Nicolás Maduro zeigt sich von den Strafmaßnahmen unbeeindruckt. "Ich bin stolz auf diese Sanktion, Mr. Imperator Donald Trump", sagte Maduro vor Anhängern in Caracas und fügte hinzu: "Mach weiter mit deinen Sanktionen!" Mit Blick auf den Stimmenvorsprung der demokratischen Kandidatin Hillary Clinton bei der US-Präsidentenwahl spottete der sozialistische Politiker: "In den USA kann man Präsident werden, wenn man drei Millionen Stimmen weniger hat als der Gegner. Welch ungeheure Demokratie", rief Maduro vor jubelnden Anhängern. 

Die Sanktionen zeigten, wie verzweifelt Trump sei und welchen Hass er für das sozialistische Venezuela hege. "Ich bin gegen den nordamerikanischen Imperialismus, gegen Kolonialismus, Rassismus. Ich bin gegen den Ku-Klux-Klan, der das Weiße Haus regiert", sagte Maduro.

Das US-Präsidialamt hatte Maduro nach der Abstimmung über die umstrittene verfassungsgebende Versammlung als "De-facto-Diktator" bezeichnet und alle Vermögenswerte Maduros, auf die die US-Justiz Zugriff hat, eingefroren. US-Bürgern wurde verboten, Geschäftsbeziehungen zu Maduro zu unterhalten. Sanktionen, die auf den Ölsektor Venezuelas abzielten, wurden Kongresskreisen zufolge vorerst nicht verhängt. Sie würden aber weiterhin in Erwägung gezogen.

Versammlung soll Arbeit binnen einer Woche beginnen

Maduro beteuerte, er werde seine Pläne zur Neuschreibung der Verfassung nicht ändern. Gegen seine Feinde, die von unabhängigen Nachrichtensendern reichten hin bis zu Bewaffneten, die von Kolumbien geschickt worden seien, werde er weiterhin vorgehen.

Er kündigte an, die neue Versammlung werde innerhalb einer Woche mit der Regierungsarbeit beginnen. Die Macht des Gremiums wolle er nutzen, um Oppositionspolitiker an der Kandidatur für im Dezember angesetzte Regionalwahlen zu hindern. Dies solle so lang geschehen, bis diese sich mit seiner Partei zusammensetzten und über ein Ende der Aufstände im Land verhandelten, sagte Maduro.

Zwei führende Oppositionelle festgenommen

Auch nach der Abstimmung geht die Regierung weiter gegen Oppositionelle vor. So sind am Dienstag zwei Regierungsgegner festgenommen worden. Nach Angaben ihrer Familien wurden Leopoldo López und Antonio Ledezma von Agenten des Inlandsgeheimdienstes abgeführt. Die beiden standen unter Hausarrest.  

"Sie haben gerade Leopoldo abgeholt. Wir wissen nicht, wo er ist und wo sie ihn hinbringen", schrieb López' Frau Lilian Tintori bei Twitter. Zudem veröffentlichte sie ein Video, welches die Festnahme Leopoldos zeigen soll.

López war erst Anfang Juli nach drei Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen und unter Hausarrest gestellt worden. 2014 war er zu 14 Jahren Haft verurteilt worden, er soll bei regierungskritischen Protesten zu Gewalt angestachelt zu haben.

Seit vier Monaten gehen Regierungsgegner gegen Maduro und dessen sozialistische Regierung auf die Straßen. Sie machen ihn für die Wirtschaftskrise und die Versorgungsengpässe im Land verantwortlich. Die von Maduro organisierte Wahl einer verfassunggebenden Versammlung am Sonntag verschärfte die Lage. Seither sind mindestens 120 Menschen ums Leben gekommen.