US-Präsident Donald Trump hat seine uneindeutige erste Reaktion auf die Gewalt bei der Rassistenkundgebung in Charlottesville verteidigt. "Es gab auf der einen Seite eine Gruppe, die schlimm war, und es gab auf der anderen Seite eine Gruppe, die ebenfalls sehr gewalttätig war", sagte Trump. Er forderte zudem, stärker zu differenzieren. "Nicht alle diese Menschen waren Neonazis, glauben Sie mir. Beim besten Willen waren nicht alle von ihnen Vertreter der Überzeugung einer weißen Vorherrschaft."

Wegen dieser Aussagen verlässt Gewerkschaftschef Richard Trumka nun Trumps Beirat zur Schaffung von Arbeitsplätzen. "Wir können nicht im Beirat für einen Präsidenten sitzen, der Fanatismus und inländischen Terrorismus toleriert", sagte der Chef des größten Gewerkschaftsdachverbandes AFL-CIO. Zuvor hatten bereits mehrere Wirtschaftsgrößen ihren Rücktritt angekündigt.

Bei einem Aufmarsch von Neonazis am Samstag war ein mutmaßlicher Rechtsextremist in eine Gruppe von Gegendemonstranten gefahren und hatte dabei eine 32-jährige Frau getötet und mehrere Teilnehmer schwer verletzt.

Trump geriet in Kritik, weil er die Rechtsextremisten der White-Supremacy-Bewegung nicht explizit verurteilte. Er hatte zunächst allgemein Hass und Fanatismus auf "vielen Seiten" angeprangert. Erst am Montag distanzierte Trump sich dann doch ausdrücklich von Rechtsextremen und kritisierte konkret Gruppen wie den Ku-Klux-Klan sowie Neonazis.

In der nun abgehaltenen Pressekonferenz verteidigte Trump sein Zögern vom Samstag und fiel inhaltlich auf sein erstes Statement zurück. "Ich wollte sicher sein, dass das, was ich sage, korrekt ist", sagte der Präsident. Man sage nicht sofort etwas, wenn man die Fakten nicht genau kenne.

Trump sprach in der Lobby des Trump Towers. Eigentlicher Anlass war ein Statement zur Infrastruktur in den USA. Trump sagte, die Medien hätten erneut sehr unfair berichtet, sowohl über ihn selbst als auch über die tatsächlichen Ereignisse vom Wochenende. Die Medien seien "Fake" und nicht ehrlich.

Vor dem Hintergrund der Alt-Right, die als eine Art Alternative Rechte ein Sammelbecken für Ultrarechte und auch Neonazis ist, sagte Trump: "Was ist mit der Alt-Left, die die, wie Sie es nennen, Alt-Right angegriffen haben? Gibt es da irgendeinen Anschein von Schuld?" Diese Geschichte habe zwei Seiten.

Minuten nach Trumps Einlassungen twitterte der frühere Ku-Klux-Klan-Chef David Duke, er danke dem Präsidenten für seine Aufrichtigkeit und den Mut, die Wahrheit zu Charlottesville auszusprechen und die "Linksterroristen" in der Bewegung Black Lives Matter und der Antifa zu verdammen.

Trump vermied es am Dienstag erneut, die Attacke mit dem Auto als Terrorismus zu bezeichnen, anders als viele Republikaner und auch sein eigener Chefankläger Jeff Sessions. "Ist das Mord? Ist das Terrorismus?" Der Fahrer des Wagens sei ein Mörder.

Bannons Zukunft bleibt ungewiss

Der Präsident äußerte sich auch über seinen Chefberater Steve Bannon. "Wir werden sehen, was mit Mr. Bannon passiert", sagte Trump. Dieser sei ein Freund und "ein guter Mann, er ist kein Rassist". Nachdem Trump den Autoangriff auf die Gegendemonstranten zunächst nicht verurteilt hatte, war Kritik an dem rechten Berater laut geworden. Der frühere Chef der konservativen Website Breitbart News ist seit Monaten eine umstrittene Figur im Weißen Haus.

Indes forderten vier Gruppen von Abgeordneten des US-Repräsentantenhauses Trump auf, neben Bannon auch die Berater Stephen Miller und Sebastian Gorka zu entlassen. Allen drei wird vorgeworfen, rechtsextreme Positionen zu vertreten. "Die Amerikaner verdienen es zu wissen, dass weiße Nationalisten, weiße Rassisten und Neonazis nicht in einer Position sind, die amerikanische Politik zu beeinflussen", hieß es in einem Brief vom Montag.