Die spanische Polizei hat bei ihren Razzien in Katalonien fast zehn Millionen Stimmzettel führ das umstrittene Unabhängigkeitsreferendum beschlagnahmt. In einem Lagerhaus nahe Barcelona seien außerdem Schilder für Wahllokale und Dokumente für Wahlhelfer sichergestellt worden, teilte das spanische Innenministerium mit.

Zuvor hatte die spanische Polizei verschiedenen Berichten zufolge zwölf bis 14 Menschen festgenommen. Unter ihnen ist der stellvertretende katalanische Wirtschaftsminister Josep Maria Jové. Er koordinierte die Vorbereitung des Unabhängigkeitsreferendums und gilt als engster Mitarbeiter des Vizeregierungschefs Oriol Junqueras. Laut der Guardia Civil hat es insgesamt 22 Durchsuchungen gegeben, unter anderem in Ministerien der katalanischen Regionalregierung.

"Die Freiheit wurde aufgehoben und unterdrückt", teilte der Chef der Regionalregierung, Carles Puigdemont, mit. Er bezeichnete die Haltung der spanischen Regierung als totalitär und antidemokratisch. "Wir sind der Meinung, dass die spanische Regierung die rote Linie überschritten hat, die sie von autoritären und repressiven Regimes trennte, und zu einer demokratischen Schande geworden ist."

Er warf der Regierung vor, willkürliche Durchsuchungen durchzuführen und die Medien einzuschüchtern. Das Vorgehen der Staatsanwaltschaft sei außerhalb gerichtlicher Kontrolle. Er rief die Katalanen dazu auf, friedlich zu bleiben und am 1. Oktober, am Tag des Referendums, "mit einer massiven und bürgerlichen Antwort zu reagieren".

Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy dagegen rechtfertigte den Einsatz der Polizei: "Es ist ein Einsatz, der auf richterliche Anordnung erfolgt." Es gehe darum, Gesetze einzuhalten. Das spanische Verfassungsgericht hat das Referendum für unzulässig erklärt, da nach der Verfassung Spanien unteilbar ist.

"Wir werden wählen"

Tausende Menschen demonstrierten in Barcelona gegen das Vorgehen der Polizei. Viele waren in die gelb-rote Flagge Kataloniens gehüllt, riefen "Unabhängigkeit" und "Wir werden wählen!"

Die Vereinsführung des FC Barcelona teilte mit, sie verurteile jede Handlung, welche die Meinungs- und Entscheidungsfreiheit untergrabe. "Der Wille der Mehrheit des katalanischen Volkes" müsse Beachtung finden, hieß es in einer Mitteilung. Auch das Regionalparlament von Mallorca verurteilte mit knapper Mehrheit das Verhalten der Regierung. Die mitregierende grün-linke Partei Més per Mallorca, die mehr Selbstbestimmung für die Balearen fordert, sprach sogar von einem Putsch der Guardia Civil. 

Die katalanische Regierung will am 1. Oktober ein Referendum über die Unabhängigkeit der Region abhalten. In Umfragen liegen die Gegner einer Abspaltung derzeit mit etwa 49 zu 41 Prozent vorn. Etwa 70 Prozent der 7,5 Millionen Einwohner Kataloniens sind jedoch dafür, in einer Volksabstimmung über diese Frage zu entscheiden.