Die katalanische Regionalregierung hält an ihren Plänen für ein "verbindliches Referendum" über die Abspaltung der Region von Spanien fest, obwohl die Volksbefragung vom spanischen Verfassungsgericht untersagt wurde. Bei einer Abschlusskundgebung in Barcelona rief der Regionalpräsident Carles Puigdemont die Bürger Kataloniens dazu auf, für die Unabhängigkeit zu stimmen und damit "Geschichte zu schreiben". "Wir haben noch den ganzen Sonntag, um die Unabhängigkeit zu gewinnen", rief er seinen Anhängern zu.

Die spanische Regierung hat Tausende Polizisten in die Region geschickt, um die Abstimmung zu verhindern. Bislang hat die spanische Polizei 1.300 von 2.315 Schulen abgeriegelt, die beim Unabhängigkeitsreferendum am Sonntag als Abstimmungslokale dienen sollten. Nach Angaben der Regionalregierung soll außerdem das Telekommunikations- und IT-Zentrum Kataloniens durch spanische Polizeikräfte besetzt worden sein. Damit sei die Abstimmung "absolut unmöglich" gemacht worden, sagte ein Vertreter der Zentralregierung in Katalonien. Die Beamten hätten Software zerstört, die für die Übermittlung der Ergebnisse aus mehr als 2.300 Wahllokalen entwickelt worden sei und für Anträge zum Abstimmen per Internet. Zudem hatte die Polizei auch Stimmzettel, Briefumschläge und Wahlurnen beschlagnahmt.

Zuvor hatten Befürworter der Unabhängigkeit Wahllokale besetzt, um so sicherzustellen, dass das Referendum abgehalten werden kann. 163 Schulen halten die Separatisten weiterhin besetzt. Mit Veranstaltungen wie Yogakursen, Filmvorführungen und Picknicks wollen sie verhindern, dass die Polizei die Gebäude räumt und so das Unabhängigkeitsreferendum verhindert. Die katalanische Polizei ist angewiesen, die Gebäude bis Sonntagmorgen zu räumen, aber gegen Eltern und Schüler keine Gewalt anzuwenden.

Am Sonntag um neun Uhr will die Regionalregierung die Wahllokale für die gut 5,3 Millionen eingetragenen Wahlberechtigten öffnen. Bei einem Votum für die Abspaltung will sie innerhalb von nur 48 Stunden die Unabhängigkeit Kataloniens ausrufen. Beobachter gehen davon aus, dass die Menschen am Sonntag zu Hunderttausenden auf die Straßen gehen werden, unabhängig davon, ob die Wahllokale geöffnet werden oder nicht.

Die spanische Zentralregierung will das Referendum verhindern. Sie beruft sich dabei auf die Verfassung, nach welcher Spanien ein unteilbarer Staat ist. Das Verfassungsgericht hat sowohl das Referendumsgesetz als auch das Abspaltungsgesetz der Katalanen gekippt. Das zweite sollte die Übergangsperiode nach einer Unabhängigkeitserklärung regeln. Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy sagte bis zuletzt, das Referendum sei illegal und werde nicht stattfinden.