US-Präsident Donald Trump hat im Konflikt um Nordkoreas Atomwaffenprogramm seine Entschlossenheit bekräftigt, das eigene Land und Verbündete zu verteidigen – "mit der vollen Bandbreite der zur Verfügung stehenden diplomatischen, konventionellen und nuklearen Kapazitäten". Dies erklärte Trump in einem Telefongespräch mit dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe. Nach Angaben des Weißen Hauses hätten beide Nordkoreas "anhaltende destabilisierende und provozierende Aktionen" verurteilt.

Ihre "tiefe Sorge" über die jüngsten Entwicklungen äußerten auch die sogenannten Brics-Staaten, die zu Beginn ihres Gipfeltreffens im chinesischen Xiamen den neuen Atomtest Nordkoreas "aufs Schärfste" verurteilten. Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika forderten zugleich, dass dieser Konflikt "nur durch friedliche Mittel und direkten Dialog aller betroffenen Parteien gelöst werden soll". China überreichte Nordkorea zudem eine offizielle Protestnote.

Am Sonntag hatte das nordkoreanische Staatsfernsehen die "erfolgreiche" Zündung einer Wasserstoffbombe von "beispielloser Kraft" gemeldet. Nach Angaben des südkoreanischen Militärs wurde der Test in der Provinz Nord-Hamgyŏng im Nordosten des Landes durchgeführt und löste ein Beben der Stärke 6,3 aus. Die Sprengwirkung des Tests übertraf nach Expertenangaben die der Atombombe von Hiroshima.

In einer ersten Reaktion hatte Trump die "Besänftigungspolitik" gegenüber Nordkorea für gescheitert erklärt und militärische Optionen nicht ausgeschlossen. "Wir werden sehen", antwortete er auf die entsprechende Frage eines Reporters. Auch US-Verteidigungsminister James Mattis machte nach einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats der USA deutlich, dass Washington vor Härte nicht zurückschreckt. Jede Bedrohung durch Nordkorea werde mit einer "massiven militärischen Reaktion" beantwortet, sagte er.

Südkorea übt Angriff auf Atomanlagen

Derweil startete das südkoreanische Militär eine eigene Raketenübung. Nach Angaben des Generalstabs in Seoul habe man einen Angriff auf das Atomgelände des nördlichen Nachbarn simuliert, wobei auf "bestimmte Ziele" im Meer geschossen worden sei.

Die Übung sei eine "Antwort auf den sechsten Atomtest des Nordens", es seien ballistische Hyunmoo-Raketen und Kampfjets vom Typ F-15K zum Einsatz gekommen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters will Südkorea nun den Aufbau des US-Raketenabwehrsystems THAAD vorantreiben.

Theoretische Reichweiten nordkoreanischer Raketensysteme, geschätzt und hochgerechnet

© ZEIT ONLINE

Der UN-Sicherheitsrat berief für diesen Montag eine Dringlichkeitssitzung ein. Bereits am Sonntag hatten neben Südkorea, Japan und europäischen Ländern wie Deutschland auch China und Russland den nordkoreanischen Atomtest klar verurteilt.

Bereits im Januar 2016 hatte Pjöngjang verkündet, erstmals eine Wasserstoffbombe erfolgreich getestet zu haben. Damals bezweifelten Experten allerdings, dass es sich bei dem Atomtest tatsächlich um eine Wasserstoffbombe handelte. Solche Bomben sind technisch außerordentlich kompliziert herzustellen. Sie haben eine weit stärkere Explosionskraft als herkömmliche Atombomben.